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	<title>Christoph Kappes</title>
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	<description>Ein weiterer WordPress-Blog</description>
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		<title>&#8220;Freiheit und Sicherheit – Die Ambivalenz des Internets&#8221;, Industrieclub OWL</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 21:53:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Termine]]></category>

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		<description><![CDATA[Vortrag vor dem Industrie- und Handelsclubs Ostwestfalen-Lippe e. V. (IHC-OWL), was nicht so schick klingt wie das Silicon Valley, aber doch eine recht beeindruckende Anzahl von Hidden und Not-So-Hidden Champions je Quadratkilometer vorweisen kann, siehe auch die Referentenliste.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vortrag vor dem Industrie- und Handelsclubs Ostwestfalen-Lippe e. V. (<a title="IHC OWL" href="http://www.ihc-owl.de" target="_blank">IHC-OWL</a>), was nicht so schick klingt wie das Silicon Valley, aber doch eine recht beeindruckende Anzahl von Hidden und Not-So-Hidden Champions je Quadratkilometer vorweisen kann, siehe auch die <a title="RefL" href="http://www.ihc-owl.de/veranstaltungen/referentinnen-und-referenten.html" target="_blank">Referentenliste</a>.</p>
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		<title>Strukturwandel politischer Kommunikation (Interview)</title>
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		<pubDate>Mon, 07 May 2012 15:26:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz]]></category>
		<category><![CDATA[E-Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>

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		<description><![CDATA[Interview mit Philip Banse im Auftrag der Heinrich Böll Stiftung über den Strukturwandel politischer Kommunikation, die Folgen ihrer digitalen Messbarmachung und die Herausforderungen für das Parteiensystem. Das Interview fand am 19.03. am Rande der Anhörung „Strukturwandel der politischen Kommunikation und Partizipation“ &#8230; <a href="http://christophkappes.de/strukturwandel-politischer-kommunikation-interview/">Den ganzen Beitrag lesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Interview mit Philip Banse im Auftrag der Heinrich Böll Stiftung über den Strukturwandel politischer Kommunikation, die Folgen ihrer digitalen Messbarmachung und die Herausforderungen für das Parteiensystem. Das Interview fand am 19.03. am Rande der Anhörung „Strukturwandel der politischen Kommunikation und Partizipation“ der Internet-Enquete des Bundestags statt. Es ist im Band &#8220;Öffentlichkeit im Wandel&#8221; zusammen mit rund 20 Beiträgen anderer Autoren erschienen und als<em><em> <a title="ÖiW" href="http://www.boell.de/publikationen/publikationen-publikation-journalismus-neue-medien-oeffentlichkeit-im-wandel.html" target="_blank">Download </a>sowie als <a title="ÖiWSnd" href="http://soundcloud.com/boellstiftung/sets/oeffentlichkeit-im-wandel/" target="_blank">Podcast </a>aufrufbar.</em></em></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.boell.de/publikationen/publikationen-publikation-journalismus-neue-medien-oeffentlichkeit-im-wandel.htmlg"><img class=" wp-image-687 aligncenter" title="Öffentlichkeit im Wandel" src="http://christophkappes.de/wp-content/uploads/2012/05/Cover-350x499.jpg" alt="" width="350" height="499" /></a></p>
<p align="left"><strong>Philip Banse: Herr Kappes, Sie sagen, dass die Digitalisierung dazu führt, dass Politik immer stärker messbar wird. Können Sie das einmal erklären?</strong></p>
<p><strong>Christoph Kappes: </strong>Es ist das Wesen des Computerzeitalters, dass der Computer die Dinge zählen kann, dass er sie vergleichen kann und auf andere Weise weiterverarbeiten kann. In der Industrie und in der Wirtschaft ist das schon seit vielen Jahrzehnten der Fall. Man kommt dort von der groben Idee, von einem <em>rough guess</em> immer mehr zu einer granularen Planung, zu Businessplänen und minutiösen Prozessketten, die eingehalten werden müssen. Ein Callcenter weiß, was ein Anruf kostet; ein Berater weiß, ob es sich noch lohnt, jemanden anzurufen oder nicht, weil er mit dem Kunden diesen Monat schon keinen Gewinn mehr macht. Langfristig – damit meine ich ein paar Jahrzehnte – wird das auch in der Politik passieren. Die Kommunikation wird eben auch messbar, wenn sie ins digitale Medium wandert, wenn sie bei Twitter, bei Facebook oder auf Debattenplattformen stattfindet. Ebenso wird vieles an Daten über die Gesellschaft künftig in Datenbanken gehalten werden und dann auch wiederum transparent und messbar.</p>
<p><strong>Was heißt es für das politische System, für den politischen Betrieb konkret?</strong></p>
<p><span id="more-683"></span></p>
<p>Das hat zwei Seiten. Ein Beispiel: Wenn ein Politiker an einer Talkshow mit bestimmten Redebeiträgen teilnimmt, wird er anhand der Resonanz aus dem Internet – die man eben auch messen kann – wissen, ob ihm das genutzt hat und wenn ja, in welchem Umfang. Und er wird beispielsweise messen können, ob die Teilnahme in der Talkshow X mehr gebracht hat als die Teilnahme an der Talkshow Y. Er wird vielleicht feststellen, dass das Twittern bei ihm nur halb so effizient ist wie bei einem Kollegen. Das führt dazu, dass Politik effizienter wird, im Sinne eines stärker zielgerichteten Einsatzes von Ressourcen. Dadurch werden Kapazitäten frei.</p>
<p>Das ist ein auf der einen Seite ein sehr positiver Effekt. Auf der anderen Seite blenden wir jedoch aus, dass wir nicht alles messen können und dass vieles, was wir an Zielen, Werten und Meinungen haben, auch nicht messbar ist und nie messbar sein wird.</p>
<p><strong>Diese Hoffnung auf eine rationalere Politik hatten schon viele Wissenschaftler. Ungezählte Studien wurden erstellt in der Hoffnung, sie könnten die Politik besser machen. Sie sind dann fast alle in der Schublade verschwunden. Woher nehmen Sie den Glauben daran, dass jetzt alles besser und rationaler wird?</strong></p>
<p>Ich will nicht behaupten, dass in Zukunft ein herrschaftsfreier Dialog, wie ihn die Habermas’sche Diskursethik beschreibt, Wirklichkeit würde. Im Gegenteil: Machtinteressen, Geld, Liebe werden immer hineinspielen. Aber man weiß künftig vielleicht präziser, worüber man redet. Die Grundidee hatten schon die politischen Kybernetiker Ende der sechziger Jahre, die dafür viel kritisiert wurden. Aber erst heute oder eigentlich in den nächsten zehn, zwanzig Jahren werden wir konkrete, für alle sichtbare Zahlen haben. Wenn zum Beispiel ein Bundespräsident sagt: Der Islam gehört zu Deutschland – Dann ist das eine abstrakte These, die sich über Monate im Mediensystem in einem endlosen Ping-Pong ohne Erkenntnisfortschritt hin- und her diskutieren lässt. Wenn man es aber auf die eigene Lebenswelt herunterbrechen kann: Wie sieht es denn bei mir in der örtlichen Umgebung aus? – Dann glaube ich schon, dass man künftig zumindest besser Bescheid weiß, worüber man redet und sich hoffentlich weniger in Ideologien verdiskutiert. Und wenn Entscheidungen anders getroffen werden, man immerhin weiß, warum sie anders getroffen werden. Vielleicht werden gerade sachfremde Erwägungen besonders deutlich sichtbar, weil man die Sache besser erkennt.</p>
<p><strong>Ein Merkmal der Digitalisierung der Politik ist, dass Politiker nicht mehr gezwungen sind, über die klassischen Medien mit ihrem Wahlvolk zu kommunizieren, sie brauchen nicht mehr die großen Zeitungen oder die Tagesschau für ein Interview, sondern können sich ohne Umweg an das Volk wenden. Merkel hat das mit Ihrem Videopodcast ausprobiert, der Regierungssprecher und diverse Politiker twittern. Was hat das für Auswirkungen?</strong></p>
<p>Ein Mediensystem gibt es, um die Politik zu spiegeln, ein bisschen zu sortieren. Es soll der Bevölkerung helfen, Politik zu verstehen. Das wird sich in dem Moment, in dem Bürger sich direkt an der Quelle bedienen, verändern. Weil die Funktionen des Mediensystems – Sortieren, Strukturieren, Erklären usw. – so nicht mehr stattfinden. Das ist die eine Seite.</p>
<p>Die andere Seite ist: Wenn die Bevölkerung authentische Nachrichten aus erster Hand bekommt und mit dem Politiker interagieren – also etwa Rückfragen stellen kann, dann kann sie sich selbst ein Bild davon vermitteln, was jemand wirklich meint. Aus meiner Sicht ist das eine großartige Chance für Politiker, sich der Bevölkerung besser zu vermitteln und zu erklären, zumal sie ja auch nicht mehr in die medialen Formate gepresst werden. Die innere Logik des Mediensystems ist an Reichweite orientiert; bei den privaten Sendern in jedem Fall, aber auch bei den Öffentlich-Rechtlichen ist sie zumindest nicht untergeordnet. Wenn Politik nicht mehr in Neunzig-Sekunden-Blöcke im Fernsehen gepresst werden muss, dann wäre meines Erachtens schon etwas gewonnen.</p>
<p><strong>Andere sagen: Wenn Merkel in ihrem Video-Podcast ungefragt ihre Thesen verbreitet und keiner nachfragt oder gegenrecherchiert, dann ist das nichts anderes als Propaganda. Wo ist die Schattenseite?</strong></p>
<p>Aus meiner Sicht ist alles Propaganda. Hans Magnus Enzensberger meinte: Jeder Mediengebrauch setzt Manipulation voraus, aber wenn jeder manipulieren kann, sei alles in Ordnung. Jeder vertritt Interessen, eine Regierung vertritt Interessen, eine Kanzlerin vertritt Interessen – und wiederum andere, als die der Regierung insgesamt. Eine Opposition vertritt Interessen, ein wirtschaftspolitischer Verein wiederum vertritt andere Interessen als eine Rot-Kreuz-Bewegung. Für mich gibt es diesen apriorischen Begriff von Werbung und Propaganda nicht. Jeder kommuniziert und versucht zu überzeugen, mit mehr oder weniger lauteren Mitteln.</p>
<p>Wenn ich mir eine öffentliche Plattform wie zum Beispiel den Kanzlerdialog anschaue, sehe ich das allerdings auch kritisch. Es ist ein inszenierter Dialog, für den man sich auch nicht ausreichend Zeit nimmt. Das hat seine Gründe, wird aber das wird auf Dauer so nicht funktionieren. Es gibt eine Eigendynamik, nach der Politiker, die mit der Bevölkerung intensiver kommunizieren, am Ende dafür belohnt werden. Es liegt in der inneren Logik der Demokratie, dass die Wähler Politiker wählen, denen sie vertrauen. Und intensive Kommunikation ist ein wichtiger Faktor, um Vertrauen zu generieren.</p>
<p><strong>Ist das auch ein Faktor, weshalb die Piratenpartei den Umfragen nach in Berlin bei vierzehn Prozent liegt und vielleicht in weitere Landtage einzieht, obwohl sie an politischen Erfolgen bislang relativ wenig vorzuweisen hat?</strong></p>
<p>Ich will mich nicht zum Parteienbeobachter aufschwingen. Ich vermute, dass die Piraten zum einen von einer Art Antihaltung profitieren, wie man es Akteuren auch auf anderen Gebieten, etwa Bürgerinitiativen, kennt. Auch, dass sie davon profitieren, dass sie neu sind und man ihnen einen Vorschuss gibt. Auf der anderen Seite glaube ich, dass die Piraten viele Menschen dadurch vereinnahmen können, dass sie eben direkt mit Menschen kommunizieren und die Beziehung eben auch dadurch wächst.</p>
<p><strong>Im klassischen politischen System hatten Parteien die Aufgabe, Interessen aus dem Staatsvolk in den Politikapparat zu transferieren. Wie auf einem Fließband sollten sie Interessen und Anliegen bündeln und als Volksparteien in den Regierungs- oder in den Politikapparat bringen. Jetzt ist es so, dass viel nebenher passiert. Immer mehr Leute werden zu einer Art von Medium. Sie fangen an, zu reden, auch direkt mit ihren Politikern. Was passiert mit den Parteien, wenn im System gleichsam immer mehr kleine Moleküle und Atome entstehen, die dann durcheinander diffundieren?</strong></p>
<p>Die Gesellschaft wird komplexer. Wir haben neue Technologien an vielen Ecken und Enden, wir haben Internationalisierungsprozesse. Die Politik sagt an vielen Stellen, dass sie überfordert ist oder sich überfördert fühlt, denken Sie zum Beispiel an den „Europäischen Stabilitätsmechanismus“. Das durchschaut kaum noch jemand. Auch Internetthemen verstehen nur noch wenige Experten und auch die sind sich nicht einig. Das ist die enorme Komplexität, mit der wir es heute zu tun haben. Wenn Parteien nicht anfangen, die Komplexität der Fachlichkeit und die Komplexität der immer feiner differenzierten Gesellschaft abzubilden, dann können sie diese inhaltliche Klammer nicht mehr schließen.</p>
<p>Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder beginnen die Parteien, sich von festen Strukturen zu lösen, etwa vom Idealbild der dauerhaften Verbindung mit lebenslanger Mitgliedschaft. Sie würden sich dann eher als flüssiges Gebilde verstehen, in Richtung von Netzstrukturen, in denen am Ende die Meinung nach Köpfen entscheidet. Dann können Parteien sehr gewinnen.</p>
<p>Oder: Wenn Parteien sich nicht bewegen, werden sie bewegt. In dem Sinne, dass an ihrem Rand Ausgliederungen entstehen. Wir sehen das schon in der Netzpolitik: Digitale Gesellschaft, D64 oder CSUnet sind Versuche, bei denen Gruppen sagen: Wir organisieren uns jetzt selbst, wir mögen uns auf den Tanker nicht mehr verlassen. Aus meiner Sicht ist das eine sehr positive Entwicklung, denn wenn es viele solcher Gliederungen gibt, werden diese wiederum Interessen in Teilgesellschaften bündeln und müssen dann wieder untereinander verhandeln. Auf diese Art und Weise kommen wir dann wieder zu einer größeren Struktur.</p>
<p><strong>Solche Ad-Hoc-Assoziationen haben aber beispielsweise in der Internet-Enquete nicht richtig funktioniert. Dort sollte ja eigentlich frei von Partei- und Fraktionszwängen diskutiert werden. Wie müssten sich die Strukturen ändern, damit solche Diskussionen vom Rand tatsächlich legitimiert sind, damit sie in den Parteien auch nach oben und nach innen kommen?</strong></p>
<p>Ein Netz hat ja kein Innen und kein Außen mehr, das ist das Paradoxe an diesem Phänomen. Eine Partei, die sich nach innen ändert, tut möglicherweise das Gleiche wie Parteien, die sich nach außen ändern. Am Ende entsteht eine Struktur aus einerseits hochaktiven, hochbeeinflussenden Knoten und andererseits sehr schwachen Knoten, die irgendwo am Rande herumsitzen. Das klingt vielleicht zu akademisch, aber was Parteien bisher inhaltlich geklammert hat, wird auf Dauer so nicht funktionieren. Dass über Milieus die Parteienzugehörigkeit entschieden wird, scheint mir immer fragwürdiger zu werden. Bestimmte Milieus lösen sich auch auf, Parteien wie zum Beispiel die CDU bewegen sich – auch unter Schmerzen – bewusst in andere Richtungen. Das gilt auch für den alten Versuch, Parteien über Grundwerte zu definieren. Meine Erfahrung ist, dass sich aus Grundwerten immer weniger Sachentscheidungen begründen lassen, weil die Sachen viel komplexer sind, man entscheidet ja meistens über Einzelfragen statt über systematische Szenarios.</p>
<p><strong>Vielleicht wird diese Klammer der Modus sein? Dass die Leute sich dort zugehörig fühlen, wo sie die richtigen Werkzeuge vorfinden? Bei den Piraten zeichnet sich das ab. Wenn eine Partei eine Infrastruktur anbietet, mit der die Leute Lösungen erarbeiten können, werden die Leute sich beteiligen?</strong></p>
<p>Das hätte ich nicht besser sagen können. Es ist das Gefühl von Heimat, von Ernstgenommen-Werden, von Mitwirken-Können. Es ist eine Frage der Möglichkeit von Partizipation, von Werkzeugen, aber auch einer Kommunikations- und Diskurskultur. Genau hier ist meines Erachtens die Achillesferse der großen Parteien, die diese Diskurskultur weder nach innen noch nach außen wirklich kultivieren. Man kann das aber auch sehr nüchtern betrachten und sagen: Das mag alles sein, aber das Prinzip der Demokratie ist, so wie wir sie kennen, dass alles zur Macht hinstrebt, zur eigenen Rolle und auch dazu, Geld zu verdienen. Eine Oppositionspartei verhält sich immer anders als eine Partei an der Regierung. Sobald sie an der Regierung ist, hat sie ihre Rollen, ihre Pöstchen, ihr Geld und wird immer den eigenen Machterhalt im Vordergrund haben und nicht den aufgeweckten Diskurs.</p>
<p>So gesehen ist der Kernmechanismus der Demokratie eben das Austauschen-Können der Regierung durch eine aktive Opposition und das macht sie wohl am Ende tatsächlich aus. Ich wage im Moment keine Prognose, wie das endet. Ich nehme aber auch wahr, dass wir eher zu einer Kommunikation unter formal Gleichberechtigten und zu einer besseren Art des Zuhörens kommen. Das ist für mich auch eine Frage von Zivilisiertheit. Und da spielen die Blogs wiederum eine Rolle, von denen viele auf eine scheinbar unpolitische Weise sich beispielsweise um Trivialitäten wie um die Frage drehen, ob man Kinder auf die CeBit mitnimmt. Mein Eindruck ist, das will gar nicht die „große Politik“ der Leitmedien sein, weil sie ohnehin aus verschiedenen Gründen zu wenig Lösungen führt, sondern das ist das Aushandeln von zivilisatorischen Regeln unter formaler Gleichheit, nachdem die alten Autoritäten wie ein Knigge nicht mehr gelten. Es ist Politik im Wortsinne, nämlich das, was alle in der Polis angeht.</p>
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		<title>Netz ohne Vertrauen: Die neue Mega-Öffentlichkeit (Die &#8220;Blätter&#8221;)</title>
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		<pubDate>Wed, 02 May 2012 10:33:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz]]></category>
		<category><![CDATA[Internetpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter diesem Titel ist im Mai-Heft der &#8220;Blätter für deutsche und internationale Politik&#8221; ein Text von mir erschienen, http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/mai/netz-ohne-vertrauen-die-neue-mega-oeffentlichkeit. Er ist ist derzeit kostenlos aufrufbar wir auch hier im Blog ab Mitte Mai zur Verfügung stehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unter diesem Titel ist im Mai-Heft der &#8220;Blätter für deutsche und internationale Politik&#8221; ein Text von mir erschienen, <a href="http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/mai/netz-ohne-vertrauen-die-neue-mega-oeffentlichkeit">http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2012/mai/netz-ohne-vertrauen-die-neue-mega-oeffentlichkeit</a>.</p>
<p>Er ist ist derzeit kostenlos aufrufbar wir auch hier im Blog ab Mitte Mai zur Verfügung stehen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.blaetter.de"><img class=" wp-image-677 aligncenter" title="Blätter, 5/2012" src="http://christophkappes.de/wp-content/uploads/2012/05/cover_201205_single_0-205x300.gif" alt="Blätter, 5/2012, Cover" width="205" height="300" /></a></p>
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		<title>Internet – Chancen für Demokratie und Freiheit (Naumann-Stiftung)</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 16:17:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf der Liberalismuskonferenz der Friedich-Naumann-Stiftung werde ich einen Vortrag zum Thema halten. Gummersbach, bitte hier entlang.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf der Liberalismuskonferenz der Friedich-Naumann-Stiftung werde ich einen Vortrag zum Thema halten. Gummersbach, bitte <a title="Naumann" href="http://www.la.fnst-freiheit.org/uploads/470/4222/Programm_Liberalismuskonferenz_01.-03.06.2012_10.pdf" target="_blank">hier </a>entlang.</p>
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		<title>IT-Security und Internet (Fujitsu Next e.V.)</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Apr 2012 09:36:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<title>Kopiermaschine Internet (SpOn)</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 16:17:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mein Beitrag zur Urheberrechtsdebatte heute bei SPIEGEL Online. Der guten Ordnung halber möchte ich hier noch dazu sagen, dass ich das Urheberrecht nicht ablehne. Meiner Auffassung nach sind die Änderungen &#8211; ich würde sie nicht einmal als Vorschläge bezeichnen, sondern &#8230; <a href="http://christophkappes.de/kopiermaschine-internet-spon/">Den ganzen Beitrag lesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein Beitrag zur Urheberrechtsdebatte heute bei <a title="SpOn" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,826871,00.html" target="_blank">SPIEGEL Online</a>.</p>
<p>Der guten Ordnung halber möchte ich hier noch dazu sagen, dass ich das Urheberrecht nicht ablehne. Meiner Auffassung nach sind die Änderungen &#8211; ich würde sie nicht einmal als Vorschläge bezeichnen, sondern als Prognose, wie es kommen wird &#8211; durchweg keine größeren Eingriffe, solange man die Frage der Schutzdauer nicht anfasst. Hinsichtlich der Schutzdauer ist mir die Debatte viel zu emotional, sie muss sehr differenziert nach Leistungsarten erfolgen und vor allem müssen belastbare Aussagen über die Konsequenzen für die Beteiligten ermittelt werden. Was nun die im Artikel angedeutete durchgehende Erfordernis der Mindest-Schöpfungshöhe angeht, halte ich diese allerdings für unvermeidbar, weil die durchschnittlichen Werke heutzutage mit nicht mehr signifkantem Aufwand erstellt werden &#8211; der pauschale Schutz jedes einzelnen Fotos wirkt sich als Hindernis aus, das auf die Dauer entfallen wird (siehe vorheriges Posting zu &#8220;Panta Rhei&#8221;), wobei ich die Frage des Entgeltes ausdrücklich hier offenlassen möchte. Auch fanden einige Leser meine Aussagen auf SpOn zum Urheberpersönlichkeitsrecht revolutionär; indes ist das, was ich vorschlage, einfach nur geltendes, amerikanisches Recht.</p>
<p>Was leider im Text ganz untergeht sind die Gründe, warum ich glaube, dass die Urheber langfristig in keiner so schlechten Position sind. Hierzu werde ich an anderer Stelle noch etwas schreiben. Es sind mehrere Gründe: erstens verschlechtern sich durch digitale Disruption überall die Intermediäre, weil Märkte transparenter werden und die Leistungserbringung mit digitalen Prozessen und mit weniger Overhead erfolgen kann. Zweitens sind &#8211; das übersehen zur Zeit alle Diskutanten weltweit &#8211; auch die Internetgiganten Opfer der Kopiermaschine: das Herz von Google und Facebook ist Software &#8211; diese Unternehmen werden immer leichter kopierbar, weil ihre Best Practice zunehmend dokumentiert und vor allem in den Köpfen der Spitzenkräfte ist. Ich bin davon überzeugt, dass das Kernteam jeweils sehr sehr klein ist. So kenne ich es von anderen Unternehmen im Softwarebereich. Wenn sich aus diesem Kernteam Menschen abspalten, so nehmen sie Knowhow mit &#8211; das ist ja sogar einer der Treiber des Tempos im Valley. Ausserdem kopieren die Unternehmen untereinander ihre Erfolge: Google hat Android aus iPhone abgeleitet und den Store, um nur zwei Beispiele zu nehmen, die jeder kennt. So entstehen Oligopole, die auf vielen verschiedenen Teilmärkten agieren, dort jeweils in hartem Wettbewerb sind. Das Ergebnis ist neben hohem Innovationsdruck auch ein Preiskampf. Meines Erachtens ist jetzt schon abzusehen, dass die Margen der &#8220;Gatekeeper&#8221; dadurch auf ein Bruchteil sinken könnten: 30% oder 40% Umsatzprovision, wie Apple sie heute einbehält, werden Richtung 10% sinken. Das Ergebnis sind sinkende Endkundenpreise, welche die Nachfrage erhöhen werden (Preisabsatzfunktion für Anfänger). Und so weiter. Bedingung ist, dass die amerikanischen Antitrust-Behörden weiter funktionieren. Am Ende bleibt es bei der einfachen Formel: Inhalte werden nachgefragt und auch bezahlt, wenn sie nicht verwechselbar sind.</p>
<p>Gefährdet sind am Ende die Intermediäre, die zu wenig Wertschöpfung (gemessen an der Marge) erbringen, sie müssen schlanker werden, prozessoptimierter. Gefährdet sind auch Urheber, die verwechselbare Inhalte &#8220;nach Kochrezept&#8221; produzieren. Wenn dies beiden geschieht: recht so.</p>
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		<title>re-publica: Session ÜBERMORGEN.TV</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 15:24:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[rp12]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich meide grössere Veranstaltungen, auch die Republica. Für Mario Sixtus, der viel netter ist als seine Tweets, habe ich allerdings eine Ausnahme gemacht: Übermorgen.tv, Diskussion mit Mercedes Bunz und Christian Heller über Was-Die-Zukunft-Bringt. Hier.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich meide grössere Veranstaltungen, auch die Republica. Für Mario Sixtus, der viel netter ist als seine Tweets, habe ich allerdings eine Ausnahme gemacht: Übermorgen.tv, Diskussion mit Mercedes Bunz und Christian Heller über Was-Die-Zukunft-Bringt.</p>
<p><a title="Utv" href="http://re-publica.de/12/panel/uebermorgen-tv/" target="_blank">Hier</a>.</p>
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		<title>c&#8217;t-Onlinetalk im DRadio Wissen</title>
		<link>http://christophkappes.de/ct-onlinetalk-im-dradio-wissen/</link>
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		<pubDate>Mon, 16 Apr 2012 14:15:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Netzneutralität]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Der c&#8217;t-Onlinetalk im DRadio Wissen am Samstag, den 21. April 2012 mit Jürgen Kuri und Falk Lüke zu netzpolitischen Themen, wie immer live als Stream und danach als Podcast. Themen voraussichtlich die aktuellen Debatten(zu)stände bei Urheberrecht, Netzneutralität und auch mein gestriges &#8230; <a href="http://christophkappes.de/ct-onlinetalk-im-dradio-wissen/">Den ganzen Beitrag lesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der c&#8217;t-Onlinetalk im DRadio Wissen am Samstag, den 21. April 2012 mit Jürgen Kuri und Falk Lüke zu netzpolitischen Themen, wie immer live als Stream und danach als Podcast. Themen voraussichtlich die aktuellen Debatten(zu)stände bei Urheberrecht, Netzneutralität und auch mein gestriges Posting hier zu &#8220;Panta Rhei&#8221;. Moderiert von Philip Banse.</p>
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		<title>Total Buyout, Netzneutralität, Entfremdung – das &#8220;panta rhei&#8221; der Digitalisierung</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Apr 2012 15:09:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurz]]></category>
		<category><![CDATA[Internettheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Netzneutralität]]></category>
		<category><![CDATA[Technikgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Weil es heute bei Twitter zu einer längeren Diskussion kam, hier nochmal der Gedankengang ausführlicher, aber ohne Feinschliff und Schnörkel (Will sagen: This is quick &#38; dirty!). Es war leider ein nicht lineares N:N-Tweet-Knäuel zwischen den Beteiligten, @fischblog, @sixtus, @sebaso @neinahh @fison @schmidtlepp @mlhoefer, Einstiege &#8230; <a href="http://christophkappes.de/total-buyout-netzneutralitat-entfremdung-ein-galopp-durch-netzthemen-der-heutigen-timeline/">Den ganzen Beitrag lesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weil es heute bei Twitter zu einer längeren Diskussion kam, hier nochmal der Gedankengang ausführlicher, aber ohne Feinschliff und Schnörkel (<em>Will sagen: This is <em>quick &amp; dirty!</em></em>). Es war leider ein nicht lineares N:N-Tweet-Knäuel zwischen den Beteiligten<span style="color: #000000;">, </span><span><a style="color: #000000;" href="https://twitter.com/#!/fischblog" rel="nofollow" data-screen-name="fischblog"><span style="color: #000000;">@fischblog</span></a><span style="color: #000000;">, </span><a style="color: #000000;" href="https://twitter.com/#!/sixtus" rel="nofollow" data-screen-name="sixtus"><span style="color: #000000;">@sixtus</span></a><span style="color: #000000;">, </span><a style="color: #000000;" href="https://twitter.com/#!/sebaso" rel="nofollow" data-screen-name="sebaso"><span style="color: #000000;">@sebaso</span></a><span style="color: #000000;"> </span><a style="color: #000000;" href="https://twitter.com/#!/neinahh" rel="nofollow" data-screen-name="neinahh"><span style="color: #000000;">@neinahh</span></a><span style="color: #000000;"> </span><a style="color: #000000;" href="https://twitter.com/#!/fison" rel="nofollow" data-screen-name="fison"><span style="color: #000000;">@fison</span></a><span style="color: #000000;"> </span><a style="color: #000000;" href="https://twitter.com/#!/schmidtlepp" rel="nofollow" data-screen-name="schmidtlepp"><span style="color: #000000;">@schmidtlepp</span></a><span style="color: #000000;"> @mlhoefer</span><strong style="color: #000000;">,</strong></span> Einstiege sind <a title="twitt" href="https://twitter.com/#!/ChristophKappes/status/191486204431187968" target="_blank">hier </a>und <a title="twitt" href="https://twitter.com/#!/sixtus/status/191480429067501569" target="_blank">hier </a>und <a title="twitt" href="https://twitter.com/#!/sebaso/status/191487228344676352" target="_blank">hier</a>.</p>
<p>Die ganze Geschichte von Kommunikationsmitteln ist geprägt davon, dass <em>Hürden aufgehoben</em> werden. Da wurde, das weiß jeder, die räumliche Hürde durch Medien aufgehoben, weil Information nun vom Menschen getrennt war. Die Erzählung wurde vom Erzähler getrennt, als sie auf der Höhlenwand, dem Buch, der Zeitung et cetera war. Da wurde, das weiß auch jeder, die Verbreitung der Information beschleunigt: Durch die Dampfschifffahrt wurden Informationen um ein vielfaches schneller zwischen Amerika und Europa übertragen als durch die Segelschifffahrt. Durch das erste Unterwasser-Telegrafenkabel wurde dann diese Zeit auf wenige Minuten verkürzt. Was entfiel? Hürden. Mit Dampfschiffen musste man nicht mehr nach den Winden segeln, sondern konnte direkt das Ziel anfahren (hier in der Logistik sieht man das Phänomen sehr bildhaft und klar). Und dank der Überseekabel musste die Information nicht mehr auf Schiffe geladen werden, sondern sie konnte frei transportiert werden, ohne dass körperliche Dinge dafür jedes Mal bewegt werden mussten.<em> Den gleichen Effekt machte die Post durch: es wurden Transportbedingungen vereinheitlicht, es mussten Formate standardisiert werden, es wurde Tarife durch mehrseitige Vereinbarungen vereinheitlicht.</em> (Die Geschichte des Weltpostvereins ist <a title="WPV" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weltpostverein" target="_blank">lesenswert</a>.).</p>
<p>Themenwechsel: Die Diskussion um <em>Netzneutralität</em> habe ich mehrfach versucht zu verstehen, bleibe aber mit meinem eigenen gedanklichen Werkzeug ratlos stehen. Wo soll das Problem sein, wenn Informationstransfer unterschiedlich befördert wird und die Beförderungsleistung zu unterschiedlichen Preisen erfolgt? Dass Leistungen je nach ermöglichender Investition unterschiedliche Preise haben, ist ja auch ausserhalb des Netzes der Normalfall. Der Normalfall ist auch, dass Anbieter versuchen, ihre Preise je nach Zahlungsbereitschaft der Nachfragenden zu differenzieren. Solange, das war bisher mein Standpunkt, Anbieter nicht diskriminieren, sehe ich darin kein Problem: Videos dürfen mehr Kosten als <em>Plain Text</em>, und sie dürfen auch mit mehr Bandbreite transportiert werden, und das kostet dann eben die Nutzer Geld. Und mit „diskriminieren“ meine ich den Begriff, wie ihn Juristen definieren: das wesentlich gleiches nicht ohne Grund ungleich behandelt werden darf. (Das verschiebt zwar das Problem methodisch auf die Frage, was Gleiches, das merken dann auch Juristen meist). Jedenfalls darf es aber nicht zulässig sein sein, dass eine <em>Ungleichbehandlung aus politischen, religiösen, sozialen Gründen erfolgt</em>. Diese Gründe sind nämlich „unsachgemäß“. (Hier merkt man den Zirkelschluss und das Teuflische an diesem Diskriminierungsbegriff, aber das sei für heute egal. Über die Probleme des gemeinsamen Dritten bei Analogien haben sich schon ganz andere Leute den Kopf zerbrochen als ich, das ist nichts für einen Sonntag.)</p>
<p>Je länger ich aber in der Technikgeschichte, der Soziologie und Wirtschaftsinformatik lese (und da bin ich eher am Anfang als mittendrin), desto klarer wird mir: <em>Die Entwicklung der Technik folgt dem Prinzip, dass alles, was „bewegt“ wird, freier fließen kann.</em> Mit der Globalisierung, beginnend im vorletzten Jahrhundert, wurden die Transaktionskosten gesenkt und weltweit angeglichen – zum  Beispiel damals schon auf den Getreidemärkten. Mit der Vereinheitlichung von Containern (TEU-Prinzip etc., <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Twenty-foot_Equivalent_Unit">http://de.wikipedia.org/wiki/Twenty-foot_Equivalent_Unit</a>) und mit Transportbedingungen und Versicherungen erfolgte alles, damit eines passieren kann: <em>Die Dinge flitzen immer schneller um den Globus.</em> Das gleiche erleben wir im <em>Finanzsystem</em>, hier werden Systeme vereinheitlicht, Nomenklaturen, Bezugsgrößen, Währungen, Prozesse, Ratings und so weiter, die neuesten Beschleunigungen sind dem Zeitalter der Digitalisierung voll zuzurechnen: <em>Finanzmärkte SIND Information, Banken SIND Computer (mit Akteur, der Verbindlichkeiten eingeht und entgegennimmt)</em>. Warum passiert das: Damit es fließt. So war es schon bei der Weltpostkarte, und wenn man weiter zurück geht, wird man auch im Römischen Reich einiges finden.</p>
<p>Nun sehen wir mit dem Internet das „<em>panta rhei</em>“ auch. Die Netzneutralität stellt nämlich sicher, dass Information mit den geringstmöglichen Aufwänden („Transaktionskosten“) fließt. Es gibt weder Beschränkungen der tatsächlichen Transportleistung noch damit verbundene Preishürden, die Teilnehmer zu Umwegen veranlassen. Man stelle sich einmal vor, vor Erfindung des Flugzeugs hätten Spanien und Italien den Bürgern Frankreichs mehr Geld für Postkartenbeförderung abgenommen, die für Afrika bestimmt waren. Oder deutsche Hafenlogistiker hätten aus politischen Gründen nur bestimmte Containergrößen günstig abgefertigt, die anderen aber verteuert. Das geht nicht gut, weil es alle machen, wenn einer anfängt. Also gibt man eine eigene Vorteilsposition auf, damit überall ohne weitere Diskussion, ohne Einschaltung von Bürokratie, Overhead, teuren Juristen, bösen Drohungen die technischen Transportmittel ungehindert ihren Zweck erbringen können: die Dinge fliessen zu lassen. Dem anderen den Zugang zu versperren, zu Flüssen, Licht, zu Erzen und Kanalisation, ist nämlich vielleicht nicht immer Krieg oder Wegelagerei, aber ein unfreundlicher Akt, der alle behindert und für den Behinderungsdroher ebenso gefährlich werden kann, wenn sich dieses Verhalten gegen ihn selbst wendet. <em>Netzneutralität ist, so gesehen, ein Akt der Zivilisation, neben dem wirtschaftlichen Vorteil für viele. Netzneutralität ist nur die Fortsetzung von technischer Evolution und ein Zustand der Daten-Zivilisierung.</em> (Wer sich die Mühe machen möchte: Beim Posttransport war das Rechte des Transits ohne Zusatzkosten und ein Verbot bestimmter Nebentarife schon 1868 der Stand der Zivilisation, <a title="UPU" href="http://de.wikisource.org/wiki/Post#UPU" target="_blank">stöbern lohnt</a>.)</p>
<p>Hat man das einmal verstanden, stellen sich auch Teilaspekte der Diskussionen um das Urheberrecht anders dar.</p>
<p>Das ist zum Einen die Idee des Urheberpersönlichkeitsrechtes, dass es eine „geistige Verbindung“ zwischen dem Urheber und seinem Werk gibt, die grundsätzlich unabdingbar ist. So kann der Urheber die Nennung seines Namens und je nach Rechtssystem die Verfälschung und Verfremdung seiner Inhalte verhindern. Es ist „seins“, es trägt seinen Namen, es ist Teil von ihm, entkörperlicht. Ich habe dafür großes Verständnis, weil ich mich auch regelmäßig aufrege, wenn man ungefragt meine Texte verstümmelt, die zum Teil unter Schmerzen aus mir herausquellen, die ich ein bisschen als Teil von mir empfinde. Da auch ich – gemessen an dem, was ich als Berater so verdiene – für Inhalte nicht gut bezahlt werde, wachsen mir mitunter große Hörner bei diesem Thema. Trotzdem muss man die Frage stellen, ob nicht genau dieser Gedanke, dass es eine ewige Verbindung zum Inhalt gibt, nicht die Verbreitung von Inhalt behindert – solange es ein „geistiges Band“ gibt, klebt jede „Content Unit“ an ihrem Urheber und kann nicht von B nach C nach D nach E fließen, ohne dieses Band mit sich zu tragen. Das ist eine Verpflichtung, die alle Transporteure belastet, als würde einer sagen: Du musst bei jedem Containerinhalt den Inhalte-Ersteller fragen, ob Du ihn bewegen darfst. Das ist bewusst sehr provokativ formuliert. Ich möchte eigentlich hier nur einen Hinweis geben, ob dieser Grundsatz in alle Ewigkeit noch Bestand haben kann. Oder ob man, wie im Falle des Anspruchs gegen Verfremdung, nicht auf andere Grundsätze ausweichen muss, zum Beispiel die Schädigung der Reputation als maßgebliches Kriterium, die dann auch vom Urheber zu beweisen wäre (so habe ich das amerikanische Urheberrecht verstanden.)</p>
<p>Da ist zum anderen die Urheberrechtsdebatte über die zunehmende Anzahl an sog.<em> Total Buy Outs</em> (also die vollständige, exklusive Übernahme aller Rechte durch Verwerter, auch in die Zukunft hinein) sowie die Kritik daran, die von vielen Journalisten und Kulturschaffenden vorgetragen wird. Es wäre wahrscheinlich noch einen weiteren umfangreichen Blogeintrag über die Angemessenheit dieser Klauseln, über wirtschaftliche Macht und soziale Verträglichkeit wert, hier an dieser Stelle aber kurz der hier entscheidende Aspekt: Total Buyout verfolgt das Ziel, dass Rechte vom Erwerber ohne Rückfrage und eventuelle Kosten genutzt und übertragen werden können. Es entsteht ein „<em>transaktionsfreier Handlungsraum</em>“, wie er auch in jeder Verlagsorganisation seit langem besteht: Texte werden ja in jeder Redaktion auf vielfache Weise verarbeitet, ohne dass sich die Beteiligten untereinander noch um Rechte kümmern müssten. Ich zum Beispiel schicke meinen Text an eine Redaktion und diese schickt mir eine von mehreren Personen bearbeitete Version zurück. Daran haben wir uns alle so gewöhnt, dass es schon selbstverständlich ist. Es ist aber eine der Grundideen eines „Verlages“, mal abgesehen von der Vorfinanzierung und bestimmten Dienstleistungen, dass er als Organisation die Inhalte &#8211; Achtung! –<em> intern frei fließen</em> lassen kann. Dieses Merkmal unterscheidet ihn von einem losen Freelancer-Verbund. Genau so ist es beim Total Buyout. Ich glaube daher nicht, dass man den Total Buyout abschaffen sollte, es wäre der Versuch, die Schwerkraft zu zähmen. Vielmehr sollte man die Grundintention verstehen und politisch über Grenzen (Verbote) reden – wie immer, wenn Neues ins Spiel kommt. Wichtig: Ich fordere hier nicht Total Buyout, sondern liefere eine Erklärung für den Trend. Es soll also jeder Beteiligte für sich weiterhin frei sein. Doch beschleicht mich bei Diskussionen häufig der Eindruck, dass die Beschwerden über Total Buyout eher auf die Unangemessenheit der Vergütung zielen &#8211; beziehungsweise darauf, dass Autoren nicht nach Zeit bezahlt werden, wie jeder andere auch, der in der modernen Dienstleistungsgesellschaft seine Arbeitsergebnisse in einer Organisation frei fließen lassen muss. Genau das ist nämlich seit Jahrzehnten die Praxis in Software-Unternehmen, wo ein Software-Entwickler im Normalfall sehr harte „Buy-Out“-Klauseln unterzeichnen muss, dafür aber erstens nach Stunden und zweitens meistens auch besser bezahlt wird als ein Journalist. (Und dieser Unterschied ist, nebenbei, eine der Konfliktursachen zwischen Urhebern und Vertretern der Piratenpartei, die aber genau an diesem Punkt hier nicht diskutieren.)</p>
<p>Was mit Total Buyout zu beobachten ist, hat meines Erachtens stark mit dem Gedanken der <em>Entfremdung</em> zu tun (manchen aus dem Marxismus bekannt, aber sehr schillernder Begriff, mehr hier <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Entfremdung">http://de.wikipedia.org/wiki/Entfremdung</a>). Wir haben uns daran gewöhnt, dass der Töpfer sein Ton-Gut abgibt, in das vielleicht viel Herzblut geflossen ist. Und der Bauer verkauft seine Lieblingssau an den Großmarkt, der sie zu Kotelettscheiben verarbeitet – wollen wir beim Griff zum Kotelett sein Gejammer über seine Lieblingssau noch hören, die er nur deswegen vortödig töten musste, um vom Sauenhändler Geld zu bekommen? Nun, das war natürlich wieder provokant. Es soll sagen: In der industriellen Fertigung ist die Idee der „Verbindung“ zwischen Arbeit und Arbeiter längst aufgehoben. Es kann sein, dass nun die Zeit kommt, in der sich auch Urheber mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass ihre „Verbindung“ zu ihren Lasten und zu Gunsten des „alles fließt“ mit geringstmöglichen Transaktionskosten verschoben wird. Auch dieses Ton-Gut verhält sich dann so wie das Ton-Gut des Töpfers. Vielleicht wird der Verlust ausgeglichen werden, vielleicht kommt es anders – ich kann auch nicht in die Zukunft schauen. Aber vor der hier angeführten historischen Entwicklung und der inneren Logik des menschlichen Verhaltens kann es so kommen, jedenfalls für die Information, die alltäglichen Nutzen beinhaltet, im Unterschied zum &#8220;großen Kulturwerk&#8221;, dass man ohne unmittelbaren Handlungsnutzen geniesst. (Ich habe bewusst nicht gesagt: „innere Logik der Technik“, denn das ist nach meinem Technikbegriff nicht ganz richtig, es ist eine soziale Logik von Menschen, deren Handlungen mit Werkzeugen einen Sinnzusammenhang ergeben). Man muss darüber in Ruhe nachdenken.</p>
<p>Was Technolibertäre, Hacker, Freaks, Internetgurus und -maoisten mit dem Begriff „<em>Datalove</em>“ verbinden und mit dem Gedanken „<em>Daten wollen frei sein</em>“ (beides wieder ein längeres Stück&#8230;), ist nach meinem Eindruck nur die politisch interpretierte Sicht desselben Phänomens, zum Teil auch noch romantisch aufgeladen und aus eigenem Erleben mit dem Computer als Fetisch verbunden, eine Verwechslung von Subjekt und Objekt. Das ist also ein richtiger Gedanke, aber seltsam emotionalisiert. Ich würde das gleiche etwas anders schreiben:<em> &#8220;Wir wollen alle, dass Daten ungehindert fliessen können, weil uns das nützt.&#8221;</em> (Dass es das Tempo beschleunigt, ist allerdings auch ein Thema). Für diese Version von <em>Datalove</em> möchte ich gern als Maoist beschimpft werden.</p>
<p>An diesem Beispiel sieht man auch schön, wie Netzthemen eine Verbindungslinie haben. Die Themen hängen zusammen – und zwar nicht immer so, wie sie diskutiert werden. Wer Netzneutralität will, muss Total Buyout wohlwollend diskutieren, und wer eines von beiden gut findet, muss wohl Beschleunigung in Kauf nehmen.</p>
<p>So long, folks. This is CC-BY-SA.</p>
<p>PS: In diesem Zusammenhang ist auch ein Schlenker in Richtung Open Source sehr erhellend. Open Source entwickelt sich zwar langsam, aber stetig, weil auch hier weniger Hürden bei der Informationsverarbeitung auftreten. Es gibt ein eigenes Rechts-Regime, wer woran welche Rechte hat. Umgekehrt sind unverständliche und überkomplizierte Regeln wie die Creative Commons (zumal im deutschen Sprachraum) ein Ärgernis, weil diese Hürden der Informationsverbreitung entgegenstehen; CC-Regelungen, welche für den Verwender Risiken enthalten, wirken der Verwendung entgegen &#8211; sie sind Barrieren für die Verbreitung. Die Lösung muss sein, diese Regelungen verständlicher zu machen.</p>
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		<title>&#8220;Ein gezähmter Punk&#8221; &#8211; Rezension Wired (W&amp;V)</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Apr 2012 10:14:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lang]]></category>
		<category><![CDATA[Blattkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Die deutsche Ausgabe des amerikanischen Technologiemagazins ist in Internetkreisen (Nachfolgewort von &#8220;Netzgemeinde&#8221;) schon beim ersten Heft im Herbst 2011 reichlich diskutiert worden. Unter anderem erschien in der &#8220;Werben &#38; Verkaufen&#8221; eine Blattkritik von mir. Um die zweite Ausgabe war es &#8230; <a href="http://christophkappes.de/ein-gezahmter-punk-rezension-wired-wv/">Den ganzen Beitrag lesen...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die deutsche Ausgabe des amerikanischen Technologiemagazins ist in Internetkreisen (Nachfolgewort von &#8220;Netzgemeinde&#8221;) schon beim ersten Heft im Herbst 2011 reichlich diskutiert worden. Unter anderem erschien in der &#8220;Werben &amp; Verkaufen&#8221; eine Blattkritik von mir.</p>
<p>Um die zweite Ausgabe war es deutlich stiller. Ich fand es aber nur fair, nun auch auf die zweite Ausgabe zu schauen.</p>
<p>Eine Blattkritik in der W&amp;V findet sich <a title="W&amp;V" href="http://www.wuv.de/nachrichten/medien/ein_gezaehmter_punk_christoph_kappes_ueber_die_neue_wired" target="_blank">hier </a>- mit ein paar Schnörkeln und Augenzwinkern.</p>
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