DieÂses Thema ist ein groÂßes Thema, man kann daran eigentÂlich nur scheiÂtern. Ich habe denÂnoch die EinÂlaÂdung der GRÜNE AkaÂdeÂmie der HeinÂrich Böll StifÂtung angeÂnomÂmen, einem Think Tank der GRÜNEN, und am 21. Januar in BerÂlin ein StateÂment abgeÂgeÂben und disÂkuÂtiert. Es hat mich gereizt, hier einÂmal nicht eine der übliÂchen AntÂworÂten beiÂzuÂsteuÂern, sonÂdern eine andere, eigene Sicht zu entÂwiÂckeln, die nicht die übliÂche Melange aus ParÂtiÂziÂpaÂtion und Social Media ist. Denn PoliÂtik wird sich meiÂnes ErachÂtens sehr viel grundÂleÂgenÂder ändern als zum BeiÂspiel durch BürÂgerÂporÂtale und twitÂternde Politiker.
Das folÂgende TheÂsenÂpaÂpier hat keiÂnen wisÂsenÂschaftÂliÂchen Anspruch, sonÂdern ist nur ein ArbeitsÂpaÂpier. Es ist denÂnoch absÂtrakt gehalÂten, so dass es für jeden Leser UnklarÂheiÂten geben wird. Bitte verÂsteÂhen Sie es als AnreÂgung und fühÂlen sie sich zur DisÂkusÂsion einÂgeÂlaÂden. Sie könÂnen das DokuÂment in volÂler Grösse anseÂhen und komÂmenÂtieÂren, wenn Sie auf den grüÂnen Crocodoc-Schriftzug kliÂcken, alterÂnaÂtiv geht auch der Download.
Die PerÂspekÂtive dieÂses Papiers, das sich auf einen ZeitÂraum von 10 oder mehr JahÂren bezieht:
1. Die DigiÂtaÂliÂsieÂrung ist weit mehr als das InterÂnet oder gar Social Media. DigiÂtaÂliÂsieÂrung bedeuÂtet, das weiß jederÂmann, dass anaÂloge InforÂmaÂtion in binäre InforÂmaÂtion  umgeÂwanÂdelt. Der Begriff meint aber auch ein hierÂauf aufÂsetÂzenÂden ProÂzess, bei dem alle HandÂlunÂgen gemesÂsen, algoÂrithÂmisch bewerÂtet, simuÂliert werÂden könÂnen. Er bedeuÂtet auch, dass HandÂlunÂgen als ProÂzesse und deren TeilÂproÂzesse betrachÂtet werÂden könÂnen, wobei man ProÂzesse misst, um sie zu stanÂdarÂdiÂsieÂren, zu verÂkürÂzen, zu beschleuÂniÂgen. Allein durch dieÂsen ProÂzess wird sich PoliÂtik verÂänÂdern, das letzte wichÂtige TeilÂsysÂtem der GesellÂschaft vor Kunst und ReliÂgion, das noch nicht digiÂtaÂliÂsiert ist. PlaÂkaÂtiv: Erst mesÂsen, dann meiÂnen — wie Google. Law is Code — ProÂzesse kann man wie präÂzise defiÂnierte Schritte im SoftÂware EngiÂneeÂring anseÂhen, von der AnforÂdeÂrung bis zum BugÂtracking und ReleaseÂmaÂnageÂment. (Und hier die leiÂder unverÂmeidÂbare FussÂnote:1)
2. Es ändert sich das MediÂenÂsysÂtem und das die KomÂmuÂniÂkaÂtion innerÂhalb des PubliÂkums und somit die Umwelt der PoliÂtik. Das hat KonÂseÂquenÂzen für die PoliÂtik selbst.
3. Es ändert sich draÂmaÂtisch, wie PoliÂtik mit ihrer Umwelt komÂmuÂniÂzieÂren wird.
4. Es ändern sich die OrgaÂniÂsaÂtiÂonsÂforÂmen der PoliÂtik, weil OrgaÂniÂsaÂtion sich nach den ErforÂderÂnisÂsen entÂwiÂckelt, und diese sind komÂpleÂxer und diverÂser als früher.
5. Es ändern sich die Akteure der PoliÂtik, insÂbeÂsonÂdere die Parteien.
Man muss sich einÂfach nur klarÂmaÂchen: Der ComÂpuÂter und das InterÂnet erlauÂben neue soziale HandÂlunÂgen, und die werÂden einÂtreÂten, wenn sie NutÂzen stifÂten. DesÂweÂgen ist die typiÂsche HalÂtung der meisÂten PoliÂtiÂker, die ihre AutoÂnoÂmie nicht einÂgeÂschränkt sehen möchÂten und desÂweÂgen meiÂnen, die ÄndeÂrunÂgen irgendÂwann selbst noch verÂmeiÂden zu könÂnen, zwar richÂtig, aber falsch: Es kommt nämÂlich, wie es kommt, weil es gut ist. TechÂnik ist das ErgebÂnis soziaÂler ProÂzesse und TechÂnik prägt soziale ProÂzesse, so geht es hin und her. Man kann nicht erst das Auto erfinÂden und dann noch von BerÂlin nach MünÂchen zu Fuss gehen wolÂlen, wenn man eine AufÂgabe hat, die weltÂlich ist.
Es würde mich sehr freuen, wenn es zu dem Papier AnmerÂkunÂgen gäbe. Sie könÂnen entÂweÂder hier unten oder auch im DokuÂment selbst vorÂgeÂnomÂmen werÂden. Ich habe verÂsuchsÂweise die PlattÂform CroÂcodoc benutzt und die Rechte sollÂten so einÂgeÂstellt sein, dass jeder komÂmenÂtieÂren kann.
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FußÂnote 1: Die AusÂsage, dass die DigiÂtaÂliÂsieÂrung in binäre ForÂmate überÂführe, ist leiÂder falsch. Sie könnte auch in belieÂbige andere SymÂbole überÂfühÂren, mit denen ComÂpuÂter opeÂrieÂren könÂnen, wobei die Pointe daran ist, dass der ComÂpuÂter eben ohne die BedeuÂtung der SymÂbole opeÂriert. Die BedeuÂtung weiÂsen wir den SymÂboÂlen zu. AußerÂdem fehlt im ganÂzen Absatz der Aspekt, dass ComÂpuÂter KomÂmuÂniÂkaÂtiÂonsÂmitÂtel sind; das ist heute jederÂmann klar (für manÂche Social Media Fans scheint er nur noch das zu tun), daher wurde es hier nicht aufgeführt.
Der VerÂgleich SoftÂwareÂentÂwickÂlung und RegieÂrung ist genial.
Es müsste meiÂner Ansicht nach eine Stelle im Staat geben, die sich mit der SoftÂwareÂentÂwickÂlung für poliÂtiÂsche und gesellÂschaftÂliÂche ZweÂcke beschäfÂtigt. Eine Team aus eigeÂnen StaatsÂentÂwickÂlern und Projekt-Managern, die AufÂträge an priÂvatÂwirtÂschaftÂliÂche UnterÂnehÂmen vergibt.
AllerÂdings sollte eine GesellÂschaft auch ohne Netz HandÂlungsÂfäÂhig bleiÂben. Und man müsste auch BürÂger berückÂsichÂtiÂgen, die das Netz ablehnen.
zu1. Finde die SpanÂnung zwiÂschen zunehÂmenÂder DiverÂsiÂtät und mögÂliÂcher DesÂoriÂenÂtieÂrung gut darÂgeÂstellt. Die SchlussÂfolÂgeÂrung in 1.4 „Auf der Agora braucht es keine Medien“ leuchÂtet mir nicht ein, ich würde eher das GegenÂteil verÂmuÂten, gerade wegen der zunehÂmenÂden VielÂfalt der öffentÂliÂchen Meinungen.
zu 2.2: Es hanÂdelt sich wirkÂlich „nur“ um eine MinÂderÂheit, sogar eine kleine. Darum erscheint mir die SchlussÂfolÂgeÂrung in 2.4 sehr unsicher.
zu 6.3: Dies könnte / sollte als ÜberÂschrift der Abschnitte 3 — 5 dieÂnen — und passt auch zu den PerÂspekÂtiÂven, die die TheÂsen insÂgeÂsamt verÂmitÂteln: Wie verÂmeide ich, hierÂmit auch nur einen „Hype der TechÂnoÂkraÂten“ zu befeuern?
Dass sich die RolÂlen nicht nur in, sonÂdern auch der ParÂteien ausÂdifÂfeÂrenÂzieÂren werÂden (8.5), gilt allein schon durch die wachÂsende KomÂpleÂxiÂtät und IndiÂviÂduaÂliÂsieÂrung der GesellÂschaft, DigiÂtaÂliÂsieÂrung ist da nur ein Faktor.
Wie 9.4 funkÂtioÂnieÂren soll, kann ich mir nicht vorstellen.
Summa: Sehr interÂesÂsante und zugeÂspitzte TheÂsen, mir etwas zu einÂseiÂtig techÂnoÂkraÂtisch und in der BeschreiÂbung der gesellÂschaftÂliÂchen AusÂwirÂkunÂgen zu „sicher“: Es geht um *MögÂlichÂkeiÂten*, die so einÂtreÂten könÂnen, deren WahrÂscheinÂlichÂkeit allerÂdings noch sehr offen ist. Der ZeitÂraum von 10 JahÂren ist viel zu kurz bemesÂsen, und es wird mit SicherÂheit noch recht anders komÂmen (Momente der TrägÂheit, KonÂsumÂoriÂenÂtieÂrung, EskaÂpisÂmus, IndiÂviÂduaÂliÂsieÂrung, SegÂmenÂtieÂrung, IrraÂtioÂnaÂliÂtät usw.).
Es ist aus meiÂner Sicht noch durchÂaus unentÂschieÂden, was von den beschrieÂbeÂnen TenÂdenÂzen zur „poliÂtiÂschen KulÂtur“ und was nur zu einer SubÂkulÂtur von SpeÂziaÂlisÂten, TechÂnoÂkraÂten und Nerds wird (ist).
@Bernd ViehÂmann: Ja, das Thema DigiÂtal Divide ist ernst, das habe ich hier ausÂgeÂklamÂmert, weil ich davon nicht genug verstehe.
@Reinhart Gruhn: zu 2.2.-4. Die MinÂderÂheit wirkt, im UnterÂschied zu anaÂloÂgen ZeiÂten, direkt in den NachÂrichÂtenÂstrom der MehrÂheit und hat hier einen Hebel, siehe zur Mitte 2011 auch eine StuÂdie, wonach 10% der PopuÂlaÂtion der GrenzÂwert sind, ab dem andere die MeiÂnung adapÂtieÂren (unter sehr engen StuÂdiÂenÂbeÂdinÂgunÂgen, zugeÂgeÂgeÂben). Ich denke übriÂgens, dass wir — unter der VorÂausÂsetÂzung, dass wir einen GrösÂsenÂordÂnung von 70% NutÂzung der sog soziaÂlen Medien erreiÂchen, woran ich ernstÂhaft glaube — es inhaltÂlich mit ganz andeÂren MeiÂnunÂgen als heute zu tun haben werÂden. Selbst ich habe punkÂtuÂell schon VerÂschwöÂrungsÂtheoÂrien für überÂleÂgensÂwert gehalÂten, obwohl ich die BeteiÂligÂten perÂsönÂlich kenne
InsÂgeÂsamt ist der Text sicherÂlich zu sehr vom InterÂnet und der TechÂnik her gedacht. Das liegt einÂfach daran, dass das mein Home Turf ist und die politisch-sozialen Aspekte eher angeÂleÂseÂnes Hobby. Ich würde mich sehr freuen, wenn ein interÂdisÂziÂpliÂnäÂres Team von WissÂchenÂschaftÂlern einen ähnliÂchen Wurf wagen würde oder man das irgendwo gemeinÂsam fortÂsetÂzen könnte.
ÜbriÂgens überÂtrage ich einige Aspekte aus der WirtÂschaft, NICHT aus der InterÂnetÂszene. Den zunehÂmenÂden EinÂsatz von WerkÂzeuÂgen sehe ich dort — InciÂdent ManageÂment, SupÂportÂfoÂren und Bug/CR-Tracking sind inzwiÂschen norÂmal und kosÂten nichts. Das wird weiÂter gehen! Daztu gehört auch ein andeÂrer Aspekt Wir disÂkuÂtieÂren dort bei den KonÂzerÂnen, die ich selbst lange live erlebt habe und bis heute erlebe, keine „MeiÂnunÂgen“ mehr, da wird gemesÂsen, da wird ratioÂnal arguÂmenÂtiert, da werÂden A/B-tests gemacht. Das war früÂher anders, da hat sich der PatriÂarch hinÂgeÂstellt und seine MeiÂnung gesagt. Das zeigt umgeÂkehrt auch auf Schwächen/Stärken, das ist im Steve Jobs mit einem hohen Mass an treffÂsiÂcheÂrer IntuiÂtion vs Google mit sehr viel Testverfahren.
SolÂche TheÂmen wie Design ThinÂking müssÂten mE drinÂgend mal in der PoliÂtik ankommen.
»Man kann nicht erst das Auto erfinÂden und dann noch von BerÂlin nach MünÂchen zu Fuss gehen wolÂlen, wenn man eine AufÂgabe hat, die weltÂlich ist.«
Wenn sich abzeichÂnet, das die indiÂviÂduÂelle MotoÂriÂsieÂrung eine SackÂgasse ist, wesÂhalb sollte man dann nicht zu Fuß gehen, oder entÂspreÂchende AlterÂnaÂtiÂven zu suchen.
Ich denke es ist eher unsinÂnig, techÂniÂsche ErunÂgenÂschafÂten um jeden Preis zu akzeptieren.
Anders gesagt, wir haben das AtomÂkraftÂwerk erfunÂden und steiÂgen trotz »weltÂliÂcher AufÂgaÂben« aus der TechÂnoÂloÂgie aus!
LieÂber Emil Blume,
ich hatte beim SchreiÂben einen schelÂmiÂschen GesichtsÂausÂdruck, weil ich mir vorÂgeÂstellt habe, dass jemand so antÂworÂten könnte wie Sie. DesÂweÂgen ist mein Satz so proÂvoÂkant ausÂgeÂfalÂlen. Danke schön, das ist eine Steilvorlage.
Ihr Satz 1: „Wenn sich abzeichÂnet, das die indiÂviÂduÂelle MotoÂriÂsieÂrung eine SackÂgasse ist, wesÂhalb sollte man dann nicht zu Fuß gehen, oder entÂspreÂchende AlterÂnaÂtiÂven zu suchen.„
Meine AntÂwort: Ja, wenn sich das abzeichÂnet. Aus meiÂnem BlickÂwinÂkel zeichÂnet sich aber das GegenÂteil ab: PoliÂtiÂsche ProÂzesse sind zu langÂsam und das gefährÂdet die LegiÂtiÂmaÂtion durch VerÂfahÂren, weil VerÂfahÂren wie S21 mit 15 JahÂren am Ende zu andeÂren SachÂverÂhalÂten und auch zu „andeÂren BürÂgern“ fühÂren. In einer komÂpleÂxer werÂdenÂden Welt muss auch die PoliÂtik insÂgeÂsamt proÂfesÂsioÂnelÂler werÂden. DerÂzeit reiÂten sie mit PferÂden. LasÂsen Sie uns die PoliÂtik bitte erstÂmal Auto fahÂren, dann sehen wir weiÂter. (Ich meine nicht die AusÂstatÂtung mit iPads: mir geht es um den behutÂsaÂmen Umbau poliÂtiÂscher ProÂzesse oder jedenÂfalls die DisÂkusÂsion und PiloÂtieÂrung derÂselÂben).
Ihr Satz 2: „Ich denke es ist eher unsinÂnig, techÂniÂsche ErunÂgenÂschafÂten um jeden Preis zu akzepÂtieÂren.„
Meine AntÂwort: Wer hat denn das gesagt, dass das „um jeden Preis“ zu tun sei? NieÂmand. Ich habe gesagt, dass es eine innere Logik von soziaÂler AkzepÂtanz von TechÂnik gibt, weil sie NutÂzen stifÂtet. So ist es mit Open GovernÂment, hier soll IT TransÂpaÂrenz schafÂfen, an andeÂrer Stelle eben EffiÂziÂenz — und das ist nichts böses, sonÂdern der seit JahrÂtauÂsenÂden anzuÂfinÂdende VerÂsuch des MenÂschen, seiÂnen AufÂwand für das gewünscht ErgebÂnis zu minÂdern.
Ihr Satz 3: „Anders gesagt, wir haben das AtomÂkraftÂwerk erfunÂden und steiÂgen trotz »weltÂliÂcher AufÂgaÂben« aus der TechÂnoÂloÂgie aus!„
Im UnterÂschied zur AtomÂkraft ist der ComÂpuÂter „an sich“ eine sozial beherrschÂbare TechÂnik. Das ist jedenÂfalls meine Sicht. FehÂler könÂnen und müsÂsen wir korÂriÂgieÂren — und nichts andeÂres tun wir seit 40 JahÂren im DatenÂschutzÂrecht. So wird es bleiÂben. (AusÂnahÂmen sind natürÂlich dort zu disÂkuÂtieÂren, wo der EinÂsatz von ComÂpuÂtern schweÂren SchaÂden anrichÂten kann oder ethisch verÂwerfÂlich sein kann, z.B. im Bereich Robotik/Drohnen. Aber darum geht es hier in dieÂsem Text ja nicht.)
LieÂber Herr Kappes,
mal etwas ausÂführÂliÂcher, Sie schreiben:
»In einer komÂpleÂxer werÂdenÂden Welt muss auch die PoliÂtik insÂgeÂsamt proÂfesÂsioÂnelÂler werden«
Dazu muss ich Ihnen antÂworÂten, das die Welt keiÂnesÂwegs komÂpleÂxer wird. Das Gras wächst wie bisÂher, es finÂden keine gröÂßeÂren UmwälÂzunÂgen der LebensÂbeÂdinÂgunÂgen statt. LedigÂlich der Mensch nutzt komÂpleÂxere MechaÂnisÂmen und WerkÂzeuge um mateÂriÂelle Gewinne, oder Macht an sich zu binden.
Wenn Sie unter PoliÂtik verÂsteÂhen, dass AufÂgaÂben, FraÂgen und ProÂbleme, die den AufÂbau, den Erhalt sowie die VerÂänÂdeÂrung und WeiÂterÂentÂwickÂlung der öffentÂliÂchen und gesellÂschaftÂliÂchen OrdÂnung anbeÂlanÂgen, gereÂgelt werÂden, pflichte ich Ihnen bei, dass unsere StellÂverÂtreÂter DemoÂkraÂtie dazu in der jetztÂziÂgen Form nicht geeigÂnet ist. AllerÂdings weniÂger, weil moderne MethoÂden fehÂlen, sonÂdern vielÂmehr weil sysÂtemÂbeÂdingt masÂsive KorÂrupÂtion aufÂtritt. Ich kann mir nicht vorÂstelÂlen, das sich durch den WechÂsel des TransÂportÂmitÂtels (vom Pferd zum Auto) die Inhalte ändern. Der Ansatz erschliesst sich mir so folgÂlich nicht.
Meine ForÂmuÂlieÂrung „in einer komÂpleÂxer werÂdenÂden Welt“ bezieht sich nur auf das, was „Welt“ des MenÂschen ist, also zwangsÂläuÂfig auf seine Welt, die er mit seiÂnen WerkÂzeuÂgen geschafÂfen hat. Da sind wir uns einig, ForÂmuÂlieÂrungsÂfrage, „Welt-„Begriff.
Wenn, wie Sie glauÂben — leiÂder fehlt mir dafür eine UnterÂmaueÂrung — „KorÂrupÂtion“ aufÂtritt, so wird die DigiÂtaÂliÂsieÂrung, in welÂchem Sinne auch immer, auch nach meiÂner MeiÂnung dem nicht abhelÂfen. Viele glauÂben aber, dass TransÂpaÂrenz helÂfen würde. Ich bin da skepÂtisch, weil es keine 100%ige TransÂpaÂrenz geben kann und schon die kleinste Lücke von zehn SekunÂden IntransÂpaÂrenz das Ziel unterÂläuft. Das ist nämÂlich der gefüllte BriefÂumÂschlag, dem man dem andeÂren in die Tasche steckt.
Aus meiÂnem BlickÂwinÂkel zeichÂnet sich ab, dass indiÂviÂduÂelle MotoÂriÂsieÂrung eine SackÂgasse ist.
Wie stellt sich das denn dann aus Ihrem BlickÂwinÂkel dar?
Von dieÂser FraÂgeÂstelÂlung verÂstehe ich leiÂder zu wenig. Wenn die EnerÂgieÂform Öl nicht abgeÂlöst wird, dann ist das wohl so.
Ich perÂsönÂlich verÂmute, dass Sharing die erste Lösung ist, in die gleich RichÂtung geht es ja auch langÂsam bei IT.
AusÂserÂdem kann die It-gestützte LogisÂtik viele ProÂzesse abwiÂckeln. AnsonsÂten verÂmute ich, dass die MenschÂheit irgendÂwann zenÂtrale BeweÂgungsÂmeÂchaÂnisÂmen hat und nicht mehr dezenÂtrale, die könÂnen dann geshaÂred werÂden.
ÜberÂtrieÂben gesagt: Stufe 1 ist das TeiÂlen von Autos. Stufe 2 ist it-gestützte AutoÂmaÂtiÂsieÂrung und LogisÂtik, dh die LogiÂsitk wird wie bei Containerschiffen/Hafenlogistik so gut, dass man günsÂtig die wöchentÂlich benöÂtigte Ware bekommt. Stufe 3 könnÂten neue soziale BalÂlungsÂräume sein, bei denen die BeweÂgung durch FörÂderÂbänÂder o.ä erleÂdigt wird, so dass die EnerÂgieÂverÂbrauÂcher sich verÂlaÂgern. Das wird aber leiÂder nach meiÂnem Tod sein, und das auch nur dann, wenn die BevölÂkeÂrungsÂdichte bei lokaÂlen BalÂlunÂgen aufÂrechtÂerÂhalÂten werÂden kann. LetzÂteÂres ist meiÂnes WisÂsens nicht der Fall.
Aber wie gesagt: ich verÂstehe davon nichts. Reine dahingemeint.
„Auf der Agora braucht es keine Medien“ Wirklich?
Bestand und besteht eine der zenÂtraÂlen AufÂgaÂben von Medien nicht darin, KomÂpleÂxiÂtät so zu reduÂzieÂren, dass dem PubliÂkum ein gröÂßeÂres GanÂzes zugängÂlich gemacht wird? (wie erfoglÂreich dies noch geschieht, ist eine andere Diskussion).
TransÂpaÂrenz ist ja keiÂnesÂwegs gleichÂbeÂdeuÂtend mit VerÂständÂlichÂkeit: Was also wären die VorÂausÂsetÂzunÂgen, damit netzÂbaÂsieÂrende DemoÂkraÂtieÂproÂzesse nicht schon nach kurÂzer Zeit in demÂagoÂgiÂschen MechaÂnisÂmen enden — gesteuÂert von einer Mischung aus techÂnisch gesteuÂerÂten KomÂmuÂniÂkaÂtiÂonsÂstraÂteÂgien und den erwähnÂten Persoonen-Superhubs?
Eine der wesentÂliÂchen HerÂausÂforÂdeÂrung der DigiÂtaÂliÂsieÂrung für den MenÂschen besteht für mich im ParaÂdoÂxon, dass zwar alles für alle in zunehÂmend grenÂzenÂloÂser TransÂpaÂrenz einÂsehÂbar wird, dies aber keiÂnesÂwegs zu mehr KlarÂheit oder DurchÂblick führt, sonÂdern eher gegenÂteiÂlig zu wirÂken scheint (siehe dazu z.B. SchirrÂmaÂchers TheÂsen in „PayÂback“. Sascha Lobo in seiÂner Kolumne auf SpOn:
Die AusÂwahl, wen man um Rat fragt, bestimmt die AntÂwort. Was sich im KleiÂnen überÂschauÂbar anhört, wird in der ÜberÂkomÂpleÂxiÂtät des InterÂnets zum ProÂblem. (4.5.2011 „Im Netz der BesÂserÂwisÂser“)
VielÂleicht gibt es so etwas wie einen autoÂmaÂtiÂschen ZynisÂmus des digiÂtaÂlen ZeitÂalÂters, fast alle FakÂten zu allen MissÂstänÂden herÂausÂfinÂden zu könÂnen und sie anschlieÂßend ignoÂrieÂren zu müsÂsen. (2.3.2011 „ÜberÂdoÂsis Weltgeschehen“)
Hm, das Agora-Zitat ist nur in der vierÂten These des AbschnitÂtes (1) Medien. In der ersÂten These heisst ja schon, dass MasÂsenÂmeÂdien weiÂter exisÂtieÂren werÂden — und dass es dafür drei gute Gründe gibt.
These Nr. 4 mit dem Zitat „auf der Agora braucht es keine Medien“ bezieht sich nur auf den in These 4 genannÂten Fall:
„Soweit das PubliÂkum selbst schreibt und direkt mit PoliÂtiÂkern komÂmuÂniÂziert, werÂden MediaÂtoÂren ausÂgeÂschalÂtet.„
Anders gesagt: PoliÂtiÂker, die mit dem PubliÂkum reden, brauÂchen dafür keine klasÂsiÂschen Medien wie ZeiÂtung, Radio, TV. Und KomÂpleÂxiÂtät könÂnen sie hofÂfentÂlich selbst am besÂten reduÂzieÂren, weil sie ihre StandÂpunkte erkläÂren, im DiaÂlog und direkt.
Zu den VerÂmuÂtunÂgen SchirrÂmaÂchers und Lobos kann ich hier auf die Schnelle nichts sinnÂvolÂles sagen. Ich weiss auch nicht, ob beide PerÂsoÂnen wirkÂlich ihre These stütÂzen würÂden, dass das InterÂnet zu weniÂger KlarÂheit und DurchÂblick führt. Warum glauÂben Sie das? Und, wenn ich das direkt fraÂgen darf: warum sind Sie ggf mit dieÂsem GlauÂben bei D64 eingetreten?
Hm. VielÂleicht war mein KomÂmenÂtar wieÂder mal zu hasÂtig hinÂgeÂhackt (darf sich in DisÂkusÂsioÂnen einÂmiÂschen, wer nicht die Zeit hatte, gründÂlich zu Ende zu denÂken und ordentÂlich zu formulieren?)
Ich glaube nämÂlich durchÂaus, dass das InterÂnet eine enorme Chance für die DemoÂkraÂtie darÂstellt und stehe dem Lager der Netz-Fanboys wesentÂlich näher als dem der InterÂnetskepÂtiÂker. TrotzÂdem halte ich es zum gegenÂwärÂtiÂgen ZeitÂpunkt für alles andere als entÂschieÂden, ob das Netz unter dem Strich wirkÂlich zu mehr DemoÂkraÂtie führt oder zu mehr Unfreiheit.
Genau daran gilt es zu arbeiÂten — und dazu will ich beiÂtraÂgen, wenn auch nur im RahÂmen meiÂner begrenzÂten MögÂlichÂkeiÂten. Das ist der Grund für mein EngaÂgeÂment bei D64.
…dass man also im volÂlen BewusstÂsein, dass keine UnterÂwerÂfung vollÂkomÂmeÂner ist als die, die den Anschein von FreiÂheit wahrt (RousÂseau), sehr genau darÂauf zu achÂten haben wird, dass der Preis nicht zu hoch wird für jene FreiÂheit, die uns das InterÂnet verÂheißt… (auch das ist keiÂnesÂwegs pesÂsiÂmisÂtisch zu verÂsteÂhen, sondern)
Das liest sich ja alles gut und plauÂsiÂbel, aber auch bei einem nicht-wissenschaftlichen TheÂsenÂpaÂpier frage ich mich, wie Du TheÂsen zur Zukunft der PoliÂtik forÂmuÂlieÂren kannst, ohne ein funÂdaÂmenÂtaÂles KonÂzept davon vorÂzuÂstelÂlen, wie sich Macht konÂstiÂtuÂiert und wie sich norÂmaÂtive OrdÂnunÂgen ausÂpräÂgen, denn genau darum geht es in der Politik.
InterÂesÂsant in dieÂsem ZusamÂmenÂhang finde ich, dass Du auch hier wieÂder, wenn ich das richÂtig verÂstehe, das Netzwerk-Paradigma als etwas Neues betrachÂtest. Ich pläÂdiere für das GegenÂteil. NetzÂwerke sind der Ursprung soziaÂler SysÂteme und erst, wenn wir verÂsteÂhen, wie sich in ihnen Macht konÂstiÂtuÂiert, könÂnen wir plauÂsiÂbel abschätÂzen, wie sich die DigiÂtaÂliÂsieÂrung ausÂwirkt. Dazu der folÂgende Lektüretip:
http://www.scilogs.de/chrono/blog/natur-des-glaubens/netzkulturen/2012–01-28/soziale-netzwerke-schon-bei-j-gern-und-sammlern-harvard-studie-zu-den-hadza
Und das engÂliÂsche OriÂgiÂnal:
http://www.scilogs.de/chrono/blog/natur-des-glaubens/netzkulturen/2012–01-28/soziale-netzwerke-schon-bei-j-gern-und-sammlern-harvard-studie-zu-den-hadza
@Sascha StolÂteÂnow Nein, das Netzwerk-Paradigma betrachte ich nicht als etwas Neues. NetzÂwerke waren immer schon da. Bitte mich nicht mit LeuÂten verÂwechÂseln, die VorÂträge über „kreiÂsende ErreÂgunÂgen“ und ähnliÂches halten.