Christoph
Kappes

Erstmal Vorweg

... ich bin Christoph Kappes, ich befasse mich seit 1993 beruflich mit dem Internet und nun schreibe ich darüber. Der digitale Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft fasziniert mich – und als Jurist und Techniker, als Unternehmer und Mensch möchte ich gern analysieren und aufklären, diskutieren und vermitteln, beobachten und gestalten.

Hier ist alles im Fluss. Ich schreibe, wie ich denke. Klarheit ist das Ziel.

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Die Bachelorarbeit

Re: Anfrage für ein Interview
Christoph Kappes
An: Vorname Name
Datum: 08.04.2014 21:03

Liebe Frau Name,

wie definieren Sie denn “Shitstorm”? Ich bin eigentlich der Meinung, dass es normal ist, wenn sich Teile der Öffentlichkeit empören. Die Empörung ist die Mutter der Demokratie, sagt zum Beispiel Peter Sloterdijk, von dem man nicht viel halten muss, aber da hat er historisch gesehen recht (ich suche ihnen gern den Link raus). Warum auch sollte man sich nicht *empören*? Es gibt doch gute Gründe dafür. Zum Beispiel, wenn eine unsensible Brigitte-Redakteurin ihre Klischeevorstellungen von Männern in die Publikation ergiesst oder wenn man als schlecht informierter Mensch den Eindruck haben muss, ein Schweizer Nahrungsmittelkonzern würde Affen die Fingerkuppen abschneiden lassen. Ich finde, das ist ein Zeichen einer funktionierenden Moral und ganz und gar keine “Krise”, wenngleich die Informiertheit der Beteiligten zu wünschen übrig lässt.

Schauen Sie: wir leben in einer Welt, die zunehmend vermessen wird, unsere Wirtschaft wird immer prozesshafter, die politischen Systeme immer komplexer und unbeweglicher, Medien drücken Nachrichten mit immer mehr atü sinnfrei in die Informationsbahnen, während zugleich die Instanzen der bürgerlichen Moral alle im Niedergang sind. Schauen Sie sich die Zahl der Kirchenmitglieder an, den Untergang des Brockhaus, wer kennt noch Gräfin Dönhoff und selbst die Partei die GRÜNEN ist nur nach innen der Hüter der Moral (genauso wie die CSU). Da ist es doch prima, wenn Menschen sich erzürnen können, um so ihre sozialen Vorstellungen lauthals zu verhandeln, meinen Sie nicht?

Ich glaube nicht, dass es einen “Shitstorm” als eigenständiges Phänomen gibt. Sicher, es gibt online leichter erregbare Strukturen von Menschlein-Netzknoten-Kanten, aber was ist das schon, es ist doch nur Text. Früher hat man sich mit der Keule auf den Kopf gehauen, die Schaufensterscheiben eingeschlagen, die Redaktionen besetzt. Da ist doch so ein Massen-Retweet nichts, das Folgen hätte, ausser diesen: Unter dem Tweet steht eine hohe Zahl und viele Menschen haben ihn zwischen den vielen Bildern sehen können, es sind ja neuerdings bis zu vier auf Twitter, und von LESEN oder gar von VERSTEHEN ist bei solchen behaviouristischen Ansätzen ohnehin nicht die Rede, die einfach nur Retweets messen oder ausgespieene Schimpfwörter. Kennen Sie eigentlich Knorkator? Meine Knorkator-Phase dauert nur ein paar Wochen (meine Freunde waren nicht glücklich damit), aber die Texte von Knorkator mitzusingen hat mich damals sehr befreit. Heute finde ich sie scheisse.

Obwohl ich selbst Unternehmer bin, möchte ich mal die Frage stellen: Woher sollen eigentlich Unternehmen erfahren, welche Handlungen sozialadäquat sind und welche nicht? Es reicht ja nicht, sich allein gesetzeskonform zu verhalten, auch wenn es viele so sehen. Kein ernstzunehmender Mensch verwechselt Ethik und Recht. Ich denke, diese Shitstorms sind ein modernes Feedback-System, das es Unternehmen kostenlos ermöglicht, auf ihre Aktivitäten Rückmeldungen zu erhalten. Man sollte das als Service anbieten, und die Monitoring-Dienstleister tun das ja auch. So gesehen ist doch jeder Case ein GOOD Case, die Informiertheit der Beteiligten vorausgesetzt. Und wo es ein BAD Case ist, ist dieser die Gelegenheit, ihn durch Aufklärung in einen GOOD Case zu verwandeln. Das ist ja eigentlich auch das Wesen der Krise, das chinesische Zeichen dafür, Sie wissen schon.

Herzliche Grüsse
Christoph Kappes

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Christoph Kappes
ck@christophkappes.de M +49 172 10 10 289 T +49 40 27092828 F +49 40 27092827 Susannenstrasse 29 20357 Hamburg, Germany
www.fructus-gmbh.de
Bitte informieren Sie mich, wenn Sie der Meinung sind, dass diese Mail nicht für Sie bestimmt ist.

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VORNAME NAME , 08.04.2014 15:50:

Sehr geehrter Herr Kappes,

ich bin Studentin der Technischen Hochschule ORT mit dem Studiengang Betriebswirtschaft und dem Schwerpunktfach Marketing.

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit analysiere ich das Thema „Shitstorm – Entstehung, Effekte, Handhabung“. Ziel ist es, durch Befragung verschiedener Experten einen umfangreichen Einblick in das Thema zu bekommen. Die Ergebnisse der Arbeit sollen dazu dienen, Handlungsempfehlungen für eine optimale Krisenkommunikation abzuleiten und Good & Bad Cases herauszuarbeiten.

Durch umfangreiche Sekundärrecherche bin ich auf Ihren Namen gestoßen und möchte Sie hiermit gerne darum bitten, meine Untersuchung durch ein telefonisches Interview zu unterstützen.

Nach Auswertung der Ergebnisse sende ich Ihnen auf Wunsch gerne ausgewählte Ergebnisse zu.

Die erhobenen Daten werden mit höchster Vertraulichkeit behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Die Ergebnisse werden nur für wissenschaftliche Zwecke verwendet.

Das Interview wird ca. 60 Minuten in Anspruch nehmen. Bitte teilen Sie mir bis Ende April mit, ob Sie an der Umfrage teilnehmen und wann ich Sie am besten telefonisch erreichen kann.

Im Anhang finden Sie den Fragebogen, damit Sie sich bereits im Voraus Gedanken zu den Fragen machen können.

Es wäre mir eine große Freude, Ihre Meinung in meine Bachelorarbeit aufnehmen zu dürfen.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen und bedanke mich bereits im Voraus für die Teilnahme an der Befragung.

VORNAME NAME

Alle

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