Christoph
Kappes

Erstmal Vorweg

... ich bin Christoph Kappes, ich befasse mich seit 1993 beruflich mit dem Internet und nun schreibe ich darüber. Der digitale Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft fasziniert mich – und als Jurist und Techniker, als Unternehmer und Mensch möchte ich gern analysieren und aufklären, diskutieren und vermitteln, beobachten und gestalten.

Hier ist alles im Fluss. Ich schreibe, wie ich denke. Klarheit ist das Ziel.

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Das Erbrochene betrachten

Nein, so geht das nicht: Seit Jahren immer dieselben Klagen über Kommentatoren auf deutschen Verlagsangeboten, die pöbeln, die beleidigen, die unqualifiziert sind etc – es sind hunderte von Artikeln zu dem Thema, die ich gar nicht alle einzeln aufzählen will. Und in der Tat, manchmal tut es wirklich weh zu lesen, was andere schreiben. Ich kenne das, und ich verstehe das auch. Meine Schmerzen sind vermutlich noch stärker, die Leserkommentare bei ZEIT, FAZ, SZ sind zu 2/3 eher verquast, am Thema vorbei oder beiläufig hingeworfen – und in unmoderierten Foren gehören Beleidigungen und Rülpsen zum Alltag. Aber:

  1. Wo kommt den eigentlich die Erwartung her, dass es anders sein könnte? Woher sollen Millionen von Menschen gelernt haben, sich angemessen auszudrücken? (Vom Buch- und Zeitungsdruck kann es kaum sein).
  2. Woher sollen sie gelernt haben, vom Schutz der Anonymität keinen Gebrauch zu machen, woher sollen sie persönlich erfahren, was das beim Gegenüber auslöst, wenn sie es doch machen? (Beim Telefon scheint es ja inzwischen zu klappen.)
  3. Warum sollen nicht alle, alle, alle irgendwie eine Stimme haben, am Diskurs teilnehmen, ihre Unausgegorenes in die Meinungsmanage werfen, auch wenn es aussieht wie Erbrochenes? Kann man nicht auch aus diesem Vorgang lernen, etwas erkennen, das sonst anders ausgeschieden worden wäre? Wir haben doch online die Möglichkeit, dass der Empfänger selbst selektiert (und das wäre auch die Richtung.)

Labskaus

Seit Jahren immer dieselben Klagen von Journalisten, die sich mit solchen Kommentaren nicht mehr auseinandersetzen wollen. Aber auch dieselben Klagen von Edel-Blogs wie CARTA. Und bei Nicht-so-edel-Blogs eine „My-Blog-Is-My-Castle-Mentalität“, die in nichts sich vom Anspruch eines Karstadt-Filialleiters auf Einhaltung von Recht und Ordnung auf den von ihm verwalteten Scholl-Aufbauten unterscheidbar ist. Euer Blog ist nicht Eure Wohnung. Euer Blog ist Euer Blog. Jede Analogie mit Wohnzimmern und Vorgärten, die Herrschaft verteidigt, braucht eine materielle Begründung, die sich nicht nur auf den Standpunkt “Gehört halt mir und steht mein Name drauf, darf ich also.” stellt.

Die Frage ist nicht nur, wie man mit schlimmen Kommentaren umgeht. (Indem man sie beiseite legt, bewerten lässt, ausblendet und moderiert.)

Die Frage ist auch, wie Menschen lernen, so zu kommentieren, dass sie andere dabei nicht verletzen und dem Diskussionsablauf nicht zu sehr schaden. (Vorausgesetzt, Ihre Äußerung ist nicht strafbar.)

Wer muss sich eigentlich „zusammenreißen“: Diejenigen, die es könnten, oder diejenigen, die es nicht können?

Für das Sprechen der Sprachunfähigen werden sich die Hörbaren nie einsetzen.

(Das Bildmaterial ist Labskaus, mit freundlicher Genehmigung von Jasmin Kochlöffelchen85, Nutzerin von Chefkoch.de)

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