Erstmal Vorweg

... ich bin Christoph Kappes, ich befasse mich seit 1993 beruflich mit dem Internet und nun schreibe ich darüber. Der digitale Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft fasziniert mich und als Jurist und Techniker, als Unternehmer und Mensch möchte ich gern analysieren und aufklären, diskutieren und vermitteln, beobachten und gestalten.

Hier ist alles im Fluss. Ich schreibe, wie ich denke. Klarheit ist das Ziel

Das Internet als Kritikmaschine – Zur Notwendigkeit einer Jedermann-Praxis

Dieser Beitrag erschien zuerst dort in meiner Kolumne MERTON, dem Onlinemagazin des Stifterverbandes.

Klaus findet „natürlich“ etwas „schlimm“, Gerda schreibt dazu „LOL“ und Sibylle empört sich darüber. Wer kennt es nicht, das Gefühl schlechter Laune, die einen bei Diskussionen im Internet überkommt, weil alles so aufgeregt, so negativ und zumeist auch sehr vergänglich ist? In meiner Timeline jedenfalls ist fast jeden Tag etwas anderes los und niemand kann sich mehr erinnern, worum es im letzten Monat ging. Hinzu kommen Phänomene wie sogenannte Shitstorms[1] und sogenannte Hasskommentare[2], zwei Extrembegriffe, die paradoxerweise gerade von klassischen Medienakteuren gern verallgemeinernd auf die Internetkommunikation als ganze gerichtet werden. Und wer nun meint, der Hass sei ein Unterschichtenphänomen, der lerne nur die vernichtende Kritik Intellektueller kennen, die sie mit sprachlichen Mitteln ausdrücken: Zwischen „ein Phantasma“ und „Du Spinner“ ist kein so großer Unterschied. Das Florett erzeugt die gleichen Ergebnisse wie die Axt – und trifft noch präziser dabei.

Es fehlt eine systematische Phänomenologie

Wie rau das Klima im Internet wirklich ist, hat noch niemand vermessen. Das Besserwisser-Klima in Online-Ablegern der Printmedien ist wohl vor allem ein Altersphänomen politisierender Männer mit Führungsambitionen: Man(n) zieht in die Schlacht, um öffentlich den Kampf aufzunehmen und den Sieg nach Hause zu tragen. Im Internet als Ganzem reicht die Vielfalt negativer menschlicher Verhaltensweisen von banalem Genörgel über scharfe Diskussionen bis hin zu verbalen Angriffen mit Vernichtungswillen – gut einzugrenzen und zu ordnen ist es aber nicht. Und den alten Besserwissern steht der Flausch der Kochcommunities gegenüber. Handelt es sich womöglich um dieselben Menschen in verschiedenen Modi? Postet der gemeine SpOn-Forist womöglich auf Facebook Katzenfotos? So eine Persona hat ja doch Facetten. Eine Phänomenologie der Kritik im Internet müsste dringend geschrieben werden, liefe aber wohl auf eine Situations- und Typenlehre hinaus, die vollständig nie gelingen kann.

Video zum Text: Ode to joy

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