Christoph
Kappes

Erstmal Vorweg

... ich bin Christoph Kappes, ich befasse mich seit 1993 beruflich mit dem Internet und nun schreibe ich darüber. Der digitale Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft fasziniert mich – und als Jurist und Techniker, als Unternehmer und Mensch möchte ich gern analysieren und aufklären, diskutieren und vermitteln, beobachten und gestalten.

Hier ist alles im Fluss. Ich schreibe, wie ich denke. Klarheit ist das Ziel.

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Medienwandel kompakt 2011-2013 erschienen

Wie wird in Blogs der Medienwandel in seinen ökonomischen, politischen und journalistischen Dimensionen gesehen? Das ist die Frage, welche die Buchreihe „Medienwandel kompakt“ beantworten helfen möchte. Zusammen mit Jan Krone, Professor für Medienwirtschaft an der FH St. Pölten, und Leonard Novy, Direktor am Institut für Medien- und Kommunikationspolitik, habe ich den zweiten Band herausgegeben, der den Zeitraum 2011 bis 2013 behandelt und der soeben erschienen ist.

Medienwandel kompakt (Umschlag)

Medienwandel kompakt (Umschlag)

Zunächst einmal vielen Dank an alle Autoren, die uns kostenlos ihre Texte für diesen Zweck überlassen haben und mit denen die Zusammenarbeit sehr angenehm war.

Drei Themen werden an uns hin und wieder angetragen:

1. Warum veröffentlichen wir ein Buch (=Print)?

Das hat mehrere Gründe. Zum ersten richten wir uns vor allem an die Wissenschaft, die leider immer noch vor der Bezugnahme auf Webquellen zurückschreckt, die nicht zu etablierten Medien gehören. Die Buchform senkt daher die Barrieren der Zitierung und macht so den Netzdiskurs im Wissenschaftsdiskurs sichtbarer. Zum zweiten ist das Buch auch als Reader gedacht, zum Beispiel für Journalisten, die Papierform ist so möglicherweise eine gute Alternative zu digitalen Versionen.

2. Warum kostet dieses Buch rund 40 EUR?

Darauf haben wir Herausgeber keinen Einfluss. Seit der Vorauflage wissen wir aber, dass die verkaufte Auflage bestenfalls vierstellig ist – die meisten Bücher werden wohl von Universitätsbibliotheken erworben und können dort entliehen werden. Das Ergebnis – im Web zugängliche Texte werden mit Steuergeldern nach ihrer Kommerzialisierung nochmals zugänglich gemacht – ist etwas absurd, solange die Quellentexte noch im Internet selbst auffindbar sind. Das wird aber erfahrungsgemäß nicht viele Jahre so bleiben, so daß nach einigen Jahren nur dieses Buch einen gesicherten Zustand herstellt, wir werden hier als Konservatoren des Netzdiskurses tätig. (Von unserem Honorar, um auch das einmal klar zu sagen, bleibt nach Abzug der Reisekosten zwischen Hamburg, Berlin und St. Pölten nichts übrig – wir sind ein nichtkommerzielles Projekt und meinen Teil erbringe ich in meiner Freizeit.)

3. Warum nur so wenig Frauen unter den Autoren?
Da wir das Buch als Spiegelung des relevanten Netzdiskurses in die Wissenschaft angelegt haben, haben wir nicht einfach das Internet nach „guten Texten“ durchforstet, sondern wir haben primär auf den reichweitenstärkeren Blogs nach Texten gesucht, die uns aus einer wissenschaftlichen Perspektive bemerkenswert erschienen. Diese Blogs sind Carta, das von Buch-Mitherausgeber Loenard Novy (und Tatjana Brode sowie Wolfgang Michal) herausgegeben wird, netzwertig, spreeblick, aber auch irights.info, vocer.org, telemedicus und journal21 (netzpolitik schied leider aus, da man dort ein eigenes Buch hatte – die Frauenquote wäre aber wohl dadurch ohnehin nicht besser gewesen). Zu guter letzt haben wir auf Carta (und ich vielfach per Twitter) zu weiteren Nominierungen aufgerufen, so sind dann noch einige wenige Texte hinzugekommen, über deren Auswahl man sicher streiten kann. Obwohl wir uns in der Redaktionssitzung am 30.9.2013 eine Autorinnenquote von rund 30% als Ziel gesetzt haben, haben wir dieses Ziel nicht erreicht. Ich kann hier nicht ohne Rücksprache für die anderen Herausgeber sprechen, für mich scheint der Fall aber recht klar: Wir spiegeln hier die Autorinnenquote der Blog-Auswahl und wir spiegeln hier eine Leser- und Followerschaft. Umso verwunderlicher, wenn nun ein Autor des aktuellen Werkes uns „schlechte Arbeit” vorwirft, ohne nach unserem Vorgehen zu fragen – im Gegenteil, die Autorinnenquote im ersten Band 2011, in dem ebenfalls ein Text von ihm veröffentlich war, war mit nur drei Autorinnen noch schlechter. Noch abstruser ist es, wie es einige Twitterer taten, die Auswahl unseren Autoren vorzuhalten, die für die Auswahl nicht verantwortlich sind und sie auch bis zur Veröffentlichung gar nicht kannten. Der Rest der Resonanz bestand leider nur aus Attributzuweisungen („19. Jahrhundert“) oder wir wurden unter Buddy-Verdacht gestellt. Attributzuweisungen sind aber keine Argumente, zu denen ich mich äußern kann – wer stichhaltige Argumente liefert, warum wir so nicht hätten vorgehen dürfen und warum wir hier welchen Zielwert hätten erfüllen sollen, darf das gern hier in der Kommentarspalte tun. Mich persönlich hat sehr irritiert, wie man aus einem formalen Muster eines Buches mit Kleinstauflage zu einem Urteil kommen kann, ohne ein Buch wenigstens angelesen und im Vorwort das Ziel gelesen zu haben. Zugleich versuche ich gegen den Netzsalonismus bis zur Schmerzgrenze für das Gehörtwerden der Sprechunfähigen einzutreten (zuletzt hier), warum es aber nun ausgerechnet dieses Buch sein soll, erschliesst sich mir nicht. (Mir scheint eher, die Netzgemeinde sollte mal ein paar Frequenzen für Menschen freimachen, die an den Rand gedrängt wurden). Wollen wir künftig (nur!) über Autoren statt über Bücher diskutieren? Wo hört das auf?  Ich verteidige ja in diversen Texten die Empörungskultur des Netzes, aber heute ist mir zugleich wieder klar geworden, dass ich auch lernen muss, sie einerseits um des eigenen Wohlergehens willen zu ignorieren und andererseits auch um der Redlichkeit willen Widerstand zu leisten. Wenn das Buch die Kritik erst ermöglicht hat und das Internet nun die Phase der Turbo-Kritik ermöglicht, müssen Autoren darauf beharren, dass Kritik sachlich und anschlussfähig im Sinne eines diskursiven Argumentes bleibt.

Alle

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