23.01.2013

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Blog­kul­tur als Ant­wort auf die Kom­ple­xi­tät der Ge­sell­schaft und die Krise ihrer In­sti­tu­tio­nen

Tl;dr: Blogs er­fül­len nicht die Funk­tio­nen von Mas­sen­me­di­en, son­dern sie die­nen (wie So­ci­al Media ins­ge­samt) auf­grund der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren (n:n, asyn­chron, offen, bar­rie­re­arm etc.) dem Aus­tausch so­zia­ler Nor­men im Pu­bli­kum, wes­we­gen mas­sen­me­dia­le Maß­stä­be von Reich­wei­te und Re­le­vanz ver­fehlt wären. Die Ent­wick­lung von Blog-Kul­tur ist – neben per­sön­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­dürf­nis­sen – eine Re­ak­ti­on auf die Aus­dif­fe­ren­zie­rung der mo­der­nen Ge­sell­schaft und des Au­to­ri­täts­ver­lus­tes ihrer lei­ten­den In­sti­tu­tio­nen, die leis­tungs­fä­hi­ge­re Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men für „le­bens­lan­ge so­zia­le Ver­hand­lung“ be­nö­tigt. Diese Blog-Kul­tur geht im So­ci­al Layer des Web auf, wes­we­gen von „Blogs in der Krise“ in kom­mu­ni­ka­ti­ver Hin­sicht nicht die Rede sein kann; das Ge­gen­teil ist der Fall, die Kul­tur­tech­nik des „Blog­gens“ wei­tet sich aus.

Little girl with five cows in barn, Vesper, Wisconsin, ca. 1950.

Litt­le girl with five cows in barn, Ves­per, Wis­con­sin, ca. 1950
(mit Ge­neh­mi­gung, thank you very much)

An­fang Ja­nu­ar hat He­ri­bert Prantl in der SZ ne­ben­bei be­merkt: „Ken­ner des In­ter­nets sagen, auch Blogs und Blog­ger hät­ten ihre beste Zeit schon hin­ter sich, weil sie sich in einer „Sand­wich-Po­si­ti­on“ zwi­schen Face­book und Goog­le plus ei­ner­seits und Twit­ter an­de­rer­seits be­fän­den.“

Seit­dem wird eine klei­ne On­line-De­bat­te unter der Schlag­zei­le „Krise der Blogs“ ge­führt (Zu­sam­men­fas­sung bei DRa­dio). Dis­kus­sio­nen über die Re­le­vanz von Blogs sind al­ler­dings zehn Jahre alt. Ob Blogs tot sind, ob Blogs wich­ti­ger wer­den, ob sie den po­li­ti­schen Dis­kurs be­ein­flus­sen – jedes Jahr auf´s neue. Ich möch­te daher hier ver­su­chen, etwas grund­sätz­li­cher auf das Thema ein­zu­ge­hen.

1. Der Zu­stand der Blo­gosphä­re

Und in der Tat: Mal stellt je­mand fest, dass Blogs die öf­fent­li­che Mei­nung kaum prä­gen, al­len­falls wer­den ihre Im­pul­se durch klas­si­sche Mas­sen­me­di­en auf­ge­nom­men und wei­ter ver­ar­bei­tet. Mal stellt ein an­de­rer fest, dass es in Deutsch­land immer noch keine Huf­fing­ton Post gibt. (Wor­über ich, am Rande be­merkt, sehr froh bin. Das Ge­schäfts­mo­dell „Auf­merk­sam­keit gegen In­hal­te“ halte ich für un­fair, weil es den Auf­merk­sam­keits-Mehr­wert zu­guns­ten des einen ver­viel­facht, ob­wohl in Zei­ten des In­ter­nets das ein­zi­ge sons­ti­ge er­for­der­li­che Pro­duk­ti­ons­mit­tel der an­de­re hat.) Man­chen fällt auf, dass die be­rühm­ten Blogs wie BILD­blog und Netz­po­li­tik zwar Blogs sind im Sinne einer Soft­ware­gat­tung, aber si­cher nicht im Sinne eines in­halt­li­chen For­ma­tes: denn sie ope­rie­ren wie Mas­sen­me­di­en mit ihrer fes­ten Wis­sens­do­mä­ne, deren For­ma­ten und mit Mehr­au­to­ren-Kon­stel­la­tio­nen, die schon se­mi-pro­fes­sio­nell sind. Und In­ter­net­fach­leu­te sehen sogar: der Traf­fic sinkt hier und da, die Sicht­bar­keit bei Goog­le nimmt ab1, die Kom­men­tar- und Back­link-Ra­te scheint zu sin­ken, und eine Nut­zungs­ra­te von 11% bzw. 12% der Un­ter-30-Jäh­ri­gen (ARD/ZDF-On­line­stu­die 2012) deu­tet auf ein Ni­schen­da­sein. Ja, keine große Re­le­vanz und keine große Reich­wei­te, das sieht in der Tat ir­gend­wie nach Krise aus oder zu­min­dest Sta­gna­ti­on.

Den­noch kann ich schon mit der Frage wenig an­fan­gen, ob Blogs in der Krise seien. Weil ich für „Krise“ einen Bezug brau­che, eine Spit­ze, auf wel­che diese „Krise“ als Zu­spit­zung er­folgt: Als Krise ver­ste­he ich einen Zu­stand im Hin­blick auf einen un­si­che­ren Aus­gang. Au­ßer­dem kön­nen Ge­gen­stän­de nicht in einer Krise sein; Denn auch die These „Erd­bee­ren sind in der Krise“ wäre sinn­los, sogar im No­vem­ber, ge­nau­so wie mein Kühl­schrank nicht in der Krise ist, wenn er leer ist. In der Krise kön­nen In­sti­tu­tio­nen und an­de­re Ak­teu­re sein – aber sind Blog­ger mit ihren Blogs (ich sehe sie als so­zio­tech­ni­sche Ein­heit) in der Krise? Es geht den meis­ten doch nicht schlech­ter als zuvor und auch neh­men weder Re­le­vanz noch Reich­wei­te ihrer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­te ab, da kommt es doch auf Goog­le-Sicht­bar­keit nicht so sehr an.

2. Die alte Per­spek­ti­ve

Schaut man auf die gro­ßen De­bat­ten der Ge­sell­schaft, sind Blogs als In­sti­tu­ti­on nie so weit ge­kom­men, dass sie den Zu­stand ei­ge­ner Krise über­haupt er­rei­chen konn­ten. Keine Schlach­ten um Sar­ra­zin-The­sen, keine um Wul­ff-Rück­tritt und keine um Eu­ro-Ret­tungs­maß­nah­men wer­den in Blogs ent­schie­den. Von Ein­zel­fäl­len ab­ge­se­hen spie­len nach wie vor Mas­sen­me­di­en die Musik.

Wer einen sol­chen An­spruch von Reich­wei­te und Ein­fluss auf die po­li­ti­schen Groß­de­bat­ten stellt, stellt An­sprü­che wie an Mas­sen­me­di­en. Stellt man dar­über hin­aus noch eman­zi­pa­to­ri­sche An­sprü­che im Sinne einer Frank­fur­ter Schu­le, ge­kop­pelt mit eher aka­de­mi­scher Dis­kurs­theo­rie im Sinne eines Ha­ber­mas, so ist das Fazit recht klar: Ein rich­ti­ger Sprung in eine nun­mehr eman­zi­pier­te bür­ger­li­che Öf­fent­lich­keit sähe an­ders aus – so man­cher Le­ser­kom­men­tar lässt eher einen Rück­schritt weit vor das Zeit­al­ter der Auf­klä­rung be­fürch­ten, und erste Blog­ger schlie­ßen aus die­sem Grund sogar die Kom­men­tar­funk­ti­on.

Vor die­sem Hin­ter­grund er­klärt sich das Ge­rau­ne von der Krise, je­den­falls von einer ge­bil­de­ten Öf­fent­lich­keit: Krise als Aus­druck einer Per­ma-Ent­täu­schung auf­grund einer Er­war­tung, die sich ein­fach nicht rea­li­sie­ren will.

3. Die Denk­fal­le

Ich glau­be, diese Kri­sen-Dia­gno­se falsch. Das ist nur nicht ganz leicht zu er­ken­nen, denn das Neue zu er­ken­nen ist immer schwie­rig, egal aus wel­cher Po­si­ti­on:

  • Wenn man die Kri­te­ri­en der alten Me­di­en­welt an­legt und (neue) Blogs für einen Spe­zi­al­fall von (alten) Mas­sen­me­di­en hält, die 1:n eine un­end­li­che An­zahl von Re­zi­pi­en­ten er­rei­chen kön­nen, sind Blogs ein Minus, wobei es ei­gent­lich ir­ri­tie­ren soll­te, dass ein paar Ei­gen­schaf­ten wie per­sön­li­che Mei­nung, Ein-Mann/Frau-Pro­duk­ti­on und ein Man­gel an Qua­li­täts­si­che­rung (Pro­zes­sen und In­sti­tu­tio­nen) re­gel­mä­ßig gar nicht zu­tref­fen. Mit dem Pa­ra­dig­ma der „Pres­se-Pu­bli­ka­ti­on“ im Kopf sind vor allem Jour­na­lis­ten in der Ge­fahr, un­be­wusst nur eine di­gi­ta­le Ein-Mann-Zei­tung als „Re­dak­teur ohne Ver­lag“ an­zu­se­hen, der For­men nicht ein­hält, Kom­pe­tenz­ge­bie­te über­schrei­tet und un­zu­ver­läs­sig pu­bli­ziert.
  • Das Neue er­schließt sich eben­falls nicht, wenn man Kri­te­ri­en der po­li­ti­schen Öf­fent­lich­keit an­wen­det und immer nur nach die­ser Art von Öf­fent­lich­keit fragt (Rai­ner Wer­ner Faß­bin­der de­mons­triert hier2, wie schwie­rig es ist, mit fal­schen Fra­gen um­zu­ge­hen). In der üb­ri­gens ty­pisch kom­mer­zi­ell ge­trie­be­nen Sicht nach einem „Hit“ der Sorte von Lu­thers The­sen im Kopf stellt sich dann schnell die Ent­täu­schung ein. Sar­ra­zin? Das ist ein Buch, kein Blog.
  • Und auch für viele Blog­ger er­schließt sich das Neue nicht. Dies schon nie ganz, weil jeder Ver­such der Selbst­be­ob­ach­tung nicht ohne blin­den Fleck sein kann. Und weil ei­ni­ge Blog­ger den Fort­schritt ein­fach her­bei­fin­gie­ren, indem sie (zu­meist mehr hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand) dar­auf hin­wei­sen, dass viele gute Blog­ger eine be­zahl­te Heim­stät­te bei klas­si­schen Me­di­en be­kom­men; dass also ge­wis­ser­ma­ßen stän­dig um­ge­lei­tet und „ab­ge­saugt“ wird, was sie doch ei­gent­lich pro­du­zie­ren, näm­lich öf­fent­li­che Mei­nung.3

Kurz ge­sagt: Me­di­en­pro­fis und Blog­ger gu­cken auf das, was sie zu gu­cken ge­wohnt sind und fin­den immer ein Minus vor, weil sie im Me­di­en­sys­tem ver­haf­tet sind.

Doch: wenn etwas Neues in die Welt ge­kom­men ist, dann spricht al­lein sein Ge­wor­den­sein dafür, dass es eine neue Funk­ti­on hat. Und zwar erst recht dann, wenn es nicht wie­der ver­schwin­det.

Es ist be­son­ders pi­kant, den Blogs schon des­halb die Re­le­vanz ab­zu­spre­chen, weil ihre In­hal­te sich kaum in Mas­sen­me­di­en wie­der­fin­den. Das ist mei­nes Er­ach­tens ein Ar­gu­men­ta­ti­ons­feh­ler. Denn Mas­sen­me­di­en kommt die Auf­ga­be zu, In­for­ma­tio­nen zwi­schen den ver­schie­de­nen ge­sell­schaft­li­chen Teil­sys­te­men schnell und an eine große Zahl von Emp­fän­gern zu trans­por­tie­ren. Für All­tags­kom­mu­ni­ka­ti­on mit be­grenz­ter Ziel­grup­pe sind Mas­sen­me­di­en nicht ge­schaf­fen wor­den. Und viele The­men gren­zen sie sogar aus, weil sie – zum Bei­spiel mit Pay­walls – be­wusst In­for­ma­ti­ons­hür­den set­zen, weil sie im Falle von Wer­be­fi­nan­zie­rung an die Be­din­gung ge­kop­pelt sind, Wer­be­um­fel­der zu schaf­fen, oder weil sie – wie bei Ni­schen­the­men – gar keine aus­rei­chen­den Res­sour­cen haben, um diese Ni­schen­the­men ab­zu­de­cken. Schlecht ge­eig­net, weil je­den­falls als Print­me­di­um viel zu träge, sind sie für dis­kur­si­ve Pro­zes­se, an denen eine drei­stel­li­ge Per­so­nen­zahl und mehr be­tei­ligt ist. Und – last but not least – Mas­sen­me­di­en sind so oder so den Ge­set­zen der Öko­no­mie un­ter­wor­fen und somit prin­zi­pi­ell se­lek­tiv, ba­lan­ciert, plan­mä­ßig. Das gilt lei­der auch für öf­fent­lich-recht­li­che An­ge­bo­te mit ihren In­halts- und Reich­wei­ten­vor­ga­ben – und sie sind ge­wiss nicht un­ab­hän­gig von der Po­li­tik, wel­che diese An­ge­bo­te in­itia­li­siert, mit fi­nan­zi­el­len Res­sour­cen und recht­li­chem Rah­men ver­sorgt und fak­tisch mit­tel­bar be­auf­sich­tigt. Mas­sen­me­di­en sind also immer zweck­be­stimmt über das In­ter­es­se des Au­tors hin­aus, wenn­gleich man dem in­tern-struk­tu­rell zum Bei­spiel mit Tren­nungs­ge­bo­ten ent­ge­gen­zu­wir­ken ver­sucht.

Kurz: Weil wir das her­ge­brach­te Me­di­en­sys­tem so ken­nen, neh­men wir ei­ni­ge struk­tu­rel­le Schwä­chen gar nicht mehr recht wahr (bzw. sehen an­de­re Schwä­chen wie Qua­li­täts­män­gel), über­se­hen den au­ßer­halb des Me­di­en­sys­tems be­ste­hen­den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­darf und ma­chen schließ­lich auch noch den Zir­kel­schluss, die Blog-Re­le­vanz an der Spie­ge­lung der In­hal­te durch Mas­sen­me­di­en zu mes­sen, ob­wohl die­ser Spie­gel – bild­haft ge­spro­chen – in eine an­de­re Rich­tung zeigt. Dies ist nur noch da­durch zu über­tref­fen, dass man ge­bün­del­te mit un­ge­bün­del­ten Pro­duk­ten (und das auch noch zwei­er Wert­schöp­fungs­stu­fen) ver­gleicht, also die Aus­la­gen von Ge­mü­se­lä­den mit dem An­ge­bot von Kar­tof­fel­bau­ern.

4. Blogs als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­raum für so­zia­le Ver­hand­lun­gen

Nach mei­ner Be­ob­ach­tung muss man aus einer an­de­ren Per­spek­ti­ve auf den Ge­gen­stand sehen: Men­schen kom­mu­ni­zie­ren nun mal, um ihre Iden­ti­tät stän­dig neu aus­zu­lo­ten, den Un­ter­schied von sich und ihrer Um­welt. Men­schen ar­ti­ku­lie­ren sich, weil Men­schen sich beim Ar­ti­ku­lie­ren fin­den, wenn sie ihre Mei­nung, ihre Ge­füh­le, ihre Ge­dan­ken in Spra­che ver­fas­sen. Und Men­schen brau­chen so­wohl Be­stä­ti­gung ihrer ei­ge­nen Sicht, weil diese Be­stä­ti­gung ihr Ich sta­bi­li­siert und ihnen Kraft gibt, als auch Wi­der­stand, weil Leben eben auch Wi­der­stand und nicht nur das Da­hin­schwe­ben auf einem Po­ny­hof mit Blüm­chen ist. Diese Iden­ti­täts­fin­dung fin­det nun nicht mehr al­lein in der Prä­senz von Mensch zu Mensch (auf der Stra­ße, im Kauf­manns­la­den, vor der Kir­che…), son­dern zu­sätz­lich on­line statt. Das gilt sogar für ein­fachs­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­te, ein „;-)“ oder einen Ge­fällt-Mir-Klick, die man daher nicht von vorn­her­ein ge­ring­schät­zen darf, denn für in­di­vi­du­el­le Kom­mu­ni­ka­ti­on gel­ten eben mas­sen­me­dia­le Maß­stä­be nicht.

Die­ser Pro­zess des Ar­ti­ku­lie­rens, Ant­wor­tens und Re­fe­ren­zie­rens, nen­nen wir ihn ruhig „Kom­mu­ni­ka­ti­on“, ent­steht zwi­schen den Blog-Au­to­ren (im fol­gen­den ein­fach „Blogs“) durch eine Reihe von Be­zug­nah­men auf­ein­an­der, und er hat bei Blogs häu­fig auch eine über­ge­ord­ne­te so­zia­le Be­deu­tung über den kon­kre­ten Fall hin­aus. Man darf also nicht auf ein Blog oder gar einen Blog­ein­trag sehen, man muss die Ope­ra­ti­ons­ket­ten aller Blogs sehen, die einen viel­fach ver­schach­tel­ten Raum ent­ste­hen las­sen, der sich in sei­ner Kom­ple­xi­tät der­zeit nie­man­dem er­schließt, denn es gibt schät­zungs­wei­se min­des­tens zwei­hun­dert­tau­send Blogs (siehe hier). Lei­der sieht man diese Viel­falt nur, wenn man sich selbst auf die Suche be­gibt, denn die Ag­gre­ga­to­ren und an­de­re Ma­schi­nen, die sich zwi­schen Au­to­ren und Pu­bli­kum schie­ben, sind noch nicht so weit ent­wi­ckelt, uns außer nai­ven „Tweet-Ex­plo­sio­nen“ und leuch­tend-blau­en Face­book-Welt­kar­ten Bil­der und Zu­gän­ge in diese Welt zu er­schlie­ßen, wir sehen auch hier kon­struk­ti­ons­be­dingt immer den Short­tail und nie­mals das Ge­sum­me der Vie­len.

Für In­hal­te gilt: Wo ein­fa­che Ge­mü­ter nur „Shits­torms“ und Be­lang­lo­sig­keit ent­de­cken, weil sie sich ge­dank­lich an Nach­bar­schafts­streit und Nach­bar­schafts­klatsch er­in­nert füh­len, geht es den Be­tei­lig­ten aber auch darum, ihre Moral zu kom­mu­ni­zie­ren, durch­zu­set­zen und zu ver­fei­nern und mit­ein­an­der die Re­geln zu ver­han­deln, mit denen Ge­sell­schaft ge­lebt wer­den soll. Das kann da­durch zum Aus­druck kom­men, dass man

  • sich über Bil­der blut­trop­fen­der Af­fen­fin­ger em­pört,
  • sich wie Ham­bur­ger Blog­ger über gegen den Lärm eines Kin­der­gar­tens kla­gen­de Nach­barn em­pört,
  • fragt, wie man als Vater mit Kind auf der CeBit be­han­delt wird und ob man über­haupt ein Kind hätte mit­neh­men dür­fen oder
  • dis­ku­tiert, ob auf­ge­mal­te schwar­ze Bur­kas bei Slut­wal­ke­rin­nen Black­fa­c­ing oder Bo­dy­pain­ting sind und ob sich ggf. der Netz­fe­mi­nis­mus selbst de­mon­tiert (nebst Link auf Bei­trag einer fran­zö­si­schen post­struk­tu­ra­lis­ti­schen Frau­en­recht­le­rin) oder
  • ob Wi­ki­pe­dia junge Nut­zer aus­schlie­ßen soll, denen Ver­ge­wal­ti­gung vor­ge­wor­fen wird (frisch).

Man ver­ste­he mich nicht falsch: Mich stört all diese Em­pö­rung, weil sie nicht nur mit dem Fin­ger auf an­de­re zeigt, son­dern weil sie auch mit die­sem auch manch­mal klein­bür­ger­lich-mie­fi­gen Fin­ger di­rekt vor mei­nen Augen in mei­ner Ti­me­li­ne fuch­telt. Ich möch­te bitte ver­mei­den kön­nen, dass sich sämt­li­che Em­pö­rung der Na­ti­on über meine Sin­nes­or­ga­ne in mein Ge­hirn er­gießt und mich da­durch auf grau­sa­me Weise mit­schwin­gen lässt.4

Trotz­dem ist das Phä­no­men ein gutes Zei­chen. Dass sich Men­schen über die je­wei­li­gen Tat­sa­chen em­pö­ren kön­nen, ist ein Zei­chen ihrer psy­chi­schen Ge­sund­heit und mo­ra­li­schen In­te­gri­tät. Em­pö­rung ist die Emo­ti­on, aus der die res pu­bli­ca ge­bo­ren wurde.5 Ich kann also der Me­ta-Em­pö­rung über „Shits­torms“ nicht viel ab­ge­win­nen, sie sind ein Sei­ten­ef­fekt neuer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nik wie die Ruf­schä­di­gung durch Bou­le­vard­zei­tun­gen eine Folge der Dru­cker­pres­se ist. (Noch bes­ser wäre es frei­lich, wenn Men­schen nicht nur auf Bil­der und Schlag­zei­len re­agie­ren, son­dern auch die Ge­schich­ten und die In­ter­es­sen ihrer Er­zäh­ler hin­ter­fra­gen wür­den (6)). Dass die­sen Äu­ße­run­gen oft eine kon­struk­ti­ve Rich­tung fehlt, etwa bei der Auf­re­gung über eine Kla­ge­ein­rei­chung, die bei funk­tio­nie­ren­dem Rechts­sys­tem ja kein Pro­blem ver­ur­sacht, son­dern Aus­druck eines Rechts­staa­tes ist, das ist der fal­sche Maß­stab: Es geht eben nicht um Kon­struk­ti­vi­tät, es geht nicht um Lö­sun­gen, son­dern es geht um die Ent­wick­lung so­zia­ler Nor­men, die sich durch Ar­ti­ku­la­ti­on und Dis­kus­si­on aus­bil­den – von Mensch zu Mensch ge­tra­gen mit vie­len klei­nen In­ter­ak­tio­nen, in „Mi­kro-Kom­mu­ni­ka­ti­on“. Das In­ter­net fun­giert als post-el­ter­li­che So­zia­li­sie­rungs­stu­be, die per­ma­nen­te Wei­ter­bil­dung nach der Grund­aus­bil­dung.

Mit dem In­ter­net ent­steht so eine wei­te­re Op­ti­on, wie Men­schen ihr Zu­sam­men­le­ben re­geln – nicht mit for­mel­len Ge­set­zen als Po­li­tik-Out­put, son­dern mit so­zia­len Nor­men, die nicht ganz kon­tu­ren­scharf und stän­dig im Fluss sind und an wel­che keine Zwangs­fol­gen ge­kop­pelt sind, son­dern an die sich Men­schen frei­wil­lig hal­ten kön­nen. Und weil die Kom­ple­xi­tät und damit das sub­jek­ti­ve Tempo der Ver­än­de­rung zu­nimmt, ge­schieht die Aus­hand­lung nicht nur ein­ma­lig, son­dern eta­bliert sich als dau­ern­der Pro­zess. So­zia­le Nor­men gel­ten eben keine 60 Jahre mehr, die ein er­wach­se­nes Leben sta­tis­tisch dau­ert.

Sig­mund Freud wird ja das Bon­mot zu­ge­wie­sen, dass der­je­ni­ge, der erst­mals das Wort statt des Spee­res nahm, um einen Streit zu lösen, die Zi­vi­li­sa­ti­on be­grün­det hat7. Viel­leicht ist die Mög­lich­keit, mit Ver­zö­ge­rung (=asyn­chron) mit Ab­we­sen­den zu kom­mu­ni­zie­ren, ein völ­lig un­ter­schätz­ter Fort­schritt des In­ter­nets, weil sie bis dahin mit Brie­fen, Te­le­gram­men und ge­gen­sei­ti­gen te­le­fo­ni­schen An­ru­fen un­gleich müh­sa­mer war – und diese alle, bis hin zur SMS als neu­es­ter Er­fin­dung er­mög­li­chen keine n:n-Kom­mu­ni­ka­ti­on, bei der auch noch Drit­te hin­zu­tre­ten und wie­der aus­schei­den kön­nen. Wir konn­ten vor­her den zur Nacht­zeit boh­ren­den Nach­barn an­schrei­en, dem Falsch­par­ker Zet­tel unter die Wind­schutz­schei­be ste­cken oder ihm als Stadt­gue­ril­la den Au­ßen­spie­gel um­klap­pen. Nun, mit dem In­ter­net, lässt sich die Kom­mu­ni­ka­ti­on unter phy­sisch Ab­we­sen­den mit mehr als einem Akt ohne Kol­la­te­ral­schä­den ge­stal­ten, wobei die Schrift­lich­keit, die Asyn­chro­ni­zi­tät, die Of­fen­heit vie­ler Struk­tu­ren, die Viel­zahl der Be­tei­lig­ten, die Op­ti­on der An­ony­mi­tät bzw. Pseud­ony­mi­tät und die for­ma­le Gleich­heit8 der Be­tei­lig­ten tat­säch­lich dis­kur­si­ve Ge­sprächs­for­men er­mög­li­chen, wo­hin­ge­gen alle drei her­ge­brach­ten Äu­ße­rungs­for­men – vor­sich­tig for­mu­liert – nicht auf so­kra­ti­sche Dia­log­for­men an­ge­legt waren.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist auch ein Ein­druck von Ir­re­le­vanz ein­zel­ner Bei­trä­ge sub­jek­tiv völ­lig zu­tref­fend. Wer sich weder für Palm­öl noch für El­tern­pro­ble­me in­ter­es­siert (um die drei obi­gen Bei­spie­le wie­der auf­zu­neh­men), fin­det nicht über­all „sein“ Thema. Das ist die Folge der Di­ver­si­tät, in der sich zu den 20 „gro­ßen“ The­men 20.000 hin­zu­ge­sel­len, von denen sich jeder für kein Zehn­tel in­ter­es­siert. Das ist sinn­an­bie­ten­de Fülle, aber auch sub­jek­tiv viel sinn­lo­ser Noise.

5. Blogs als Re­ak­ti­on auf eine Krise der In­sti­tu­tio­nen und die Kom­ple­xi­tät der Ge­sell­schaft

Wenn man sich klar macht, dass Tech­nik nicht vom Him­mel fällt, son­dern ge­nau­so, wie sie so­zia­le Sys­te­me prägt, auch aus so­zia­len Sys­te­men ge­bo­ren wird, wird die Ur­sa­che klar: In der Mo­der­ne ver­lie­ren In­sti­tu­tio­nen an Be­deu­tung, wenn man die Ent­wick­lung in De­ka­den be­trach­tet. Der Au­to­ri­täts­ver­lust be­trifft Kir­che und Knig­ge, Duden und Brock­haus, Par­tei­en, Staats­ge­bil­de und -re­prä­sen­tan­ten, und wohl auch El­tern und ge­sell­schaft­li­che wie pri­va­te Vor­bil­der (wobei „Gan­dhi“ und „Mut­ter The­re­sa“ zwar be­liebt sind, aber auch nicht recht zäh­len, weil sie weit von der ei­ge­nen Rea­li­tät ent­fernt und so eher Aus­druck eines Wer­te-Es­ka­pis­mus sind).Immer we­ni­ger Men­schen las­sen sich davon lei­ten, was an­de­re sagen. Zu sehr haben sie ge­se­hen, was des Kai­sers neue Klei­der sind, weil es immer trans­pa­ren­ter wird – von Gün­ter Grass über Tho­mas Mid­del­hoff bis Chris­ti­an Wulff zeigt uns Goog­le so­fort, was Sache ist, und Au­to­com­ple­te zeigt in Se­kun­den­bruch­tei­len die Key­words der Dis­kur­se. Da­nach kön­nen wir ge­naue­res in der Wi­ki­pe­dia ver­tie­fen, falls wir nicht wäh­rend­des­sen noch von neuen Mel­dun­gen über an­de­re Dumm­hei­ten, Miss­brauchs­fäl­le, Pla­gia­te, Bor­dell­be­su­che und Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen gleich wie­der davon ab­ge­hal­ten wer­den. Und aus mei­nen Be­ob­ach­tun­gen öf­fent­li­cher Twit­ter-Kom­mu­ni­ka­ti­on meine ich schlie­ßen zu kön­nen: Die­ser Au­to­ri­täts­ver­lust ist erst der An­fang. Durch den Zer­fall von klas­si­scher Form, welt­an­schau­li­chem Über­bau und von kom­mu­ni­ka­ti­ver Pri­vat­heit im­plo­die­ren die Au­ßen­fi­gu­ren des Po­li­ti­kers und Staats­man­nes, des In­tel­lek­tu­el­len, des Jour­na­lis­ten und des Wirt­schafts­bos­ses. Alle ko­chen nur mit Was­ser, über­all geht die Luft raus, blitzt das Rohe, Un­voll­kom­me­ne9 her­vor, ein jeder ist sein Boris Be­cker.

Nein, Blogs sind nicht in der Krise. Blogs sind eine Re­ak­ti­on auf eine Krise der Ge­sell­schaft, ihrer In­sti­tu­tio­nen. Und ich wün­sche der Ge­sell­schaft, dass noch Mil­lio­nen von Blogs ge­bo­ren wer­den. Sie kom­men ohne In­hal­te aus, die schon auf den Ti­tel­sei­ten der Mas­sen­me­di­en zu fin­den sind. Blogs sind so ge­se­hen eine Er­gän­zung zu Mas­sen­me­di­en, weil sie zu deren ein­sei­ti­ger Rich­tung und gro­ßen Strahl­kraft ein kom­ple­men­tä­res Sys­tem ver­netz­ter und zwei­sei­ti­ger Kom­mu­ni­ka­ti­on an­bie­ten, also sich wie Rinn­sa­le und Bäche zu Strö­men und wie Wege und Stra­ßen zu Au­to­bah­nen ver­hal­ten, nur dass sie auch noch mehr leis­ten kön­nen, weil sie zwei­sei­tig ope­rie­ren. Wie gut sich bei­des er­gänzt, haben wir bei der Ver­schmel­zung von TV, Handy und In­ter­net wäh­rend der ägyp­ti­schen Re­vo­lu­ti­on sehen kön­nen, die eine ein­ma­li­ge emo­tio­na­le Dich­te bei gleich­zei­tig in­ten­si­ver Ein­zel­kom­mu­ni­ka­ti­on be­wie­sen haben.

Zur Schwä­che der In­sti­tu­tio­nen kommt die Frag­men­tie­rung und Di­ver­si­tät der Ge­sell­schaft hinzu (ich per­sön­lich halte dies üb­ri­gens, wie auch den Zu­stand „Krise“, für nichts schlech­tes). Blogs sind die Ant­wort auf ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­dürf­nis, das Mas­sen­me­di­en al­lein nicht mehr er­fül­len kön­nen. Die Zei­ten sind vor­bei, in denen alle die 20-Uhr-Ta­ges­schau sahen, und seit mei­nem letz­ten Pro­jekt im Be­reich SmartTV und Se­cond Screen bin ich mir ziem­lich si­cher, dass der Pro­zess noch sehr viel wei­ter geht: Con­tent-Bün­de­lung schwin­det, Kos­ten sin­ken, Me­di­en­or­ga­ni­sa­tio­nen ent­gren­zen sich, weil es – über­trie­ben ge­sagt – we­ni­ger Or­ga­ni­sa­ti­on braucht, wo Ma­schi­nen die Ver­brei­tung, Ab­rech­nung und Bün­de­lung über­neh­men. Wo die Zahl der Stim­men steigt, muss mehr dis­ku­tiert wer­den. So herum wird ein Schuh draus.

6. Blog­gen als platt­for­mun­ab­hän­gi­ge Kul­tur­tech­nik – Warum die Ka­te­go­rie „Blogs“ für Kom­mu­ni­ka­ti­onstruk­tu­ren nicht hilf­reich ist

Es ist nicht zu leug­nen, dass sich be­lie­bi­ge In­hal­te in Blogs fin­den, also nicht nur po­li­ti­sche oder so­zia­le The­men, son­dern auch Wis­sen­schaft und Fach­ar­ti­kel, fik­ti­ve Er­zäh­lun­gen, Koch­re­zep­te – die Ka­te­go­rie „Blog“ taugt für in­halt­li­che und kom­mu­ni­ka­ti­ve Be­ur­tei­lung nicht. Um­ge­kehrt fin­den sich alle diese Ka­te­go­ri­en auch in klas­si­schen Me­di­en. Auch als tech­ni­sche Ka­te­go­rie sind Blogs nichts her­aus­ra­gen­des, denn es han­delt sich bei ihnen um ein­fa­che, leicht in­stal­lier­ba­re und be­dien­ba­re Con­tent-Ma­nage­ment-Sys­te­me (CMS); nie­mand würde sonst bei CMS auf die Idee kom­men, die Pu­bli­ka­tio­nen nach der Art des CMS zu ka­te­go­ri­sie­ren.

Was Blogs aus­macht ist eine be­stim­me Kul­tur­pra­xis: des Schrei­bens (Länge, Sub­jek­ti­vi­tät, Se­ren­di­pi­tät, Me­di­en­wech­sel etc.), des Kom­men­tie­rens (li­ne­ar und ver­schach­telt, mit Be­zugs­pra­xis, Lösch­pra­xis, Zu­recht­wei­sun­gen etc.) und der Ver­net­zung und Zi­tie­rung (Blo­grolls, Ping­backs, Links, Re­posts, Likes in Ac­tivi­ty Streams), er­gänzt um ein­fa­che an­de­re Prak­ti­ken (Blog­pa­ra­den, Link­lis­ten, Ag­gre­ga­to­ren, blog­über­grei­fen­de Er­schlie­ßung durch Tag­ging).

Diese Kul­tur­pra­xis ist in den letz­ten Jah­ren in die Mas­sen­me­di­en dif­fun­diert, so dass sie sich in der Kul­tur und ihren For­men gar nicht mehr vom Ein­zel­blog un­ter­schei­den (Dru­pal bei­spiels­wei­se, bei zeit.​de im Ein­satz, ist ja ein klas­si­sches Blog­sys­tem). Eben­so sind so­zia­le Netz­wer­ke ent­stan­den, die diese Pra­xis über­nom­men und wei­ter aus­ge­formt haben.

Ich fürch­te daher, bei der Un­ter­schei­dung zwi­schen Blogs und „dem Rest der Pu­bli­ka­ti­ons­welt“ kommt es nur noch auf Herr­schafts­ver­hält­nis­se und Geld an: wer be­stimmt letz­ten Endes, was ge­schrie­ben wird, und wer er­hält die Ein­nah­men? In An­leh­nung an Marx ge­sagt: Den ei­gent­li­chen Klas­sen­ge­gen­satz bil­det das Ei­gen­tum über die Pro­duk­ti­ons­mit­tel. Das ist nach mei­nem Emp­fin­den der Kern der Dis­kus­si­on, die seit Jah­ren ge­führt wird und der zum Bei­spiel ge­ra­de wie­der John­ny Häuss­ler10 Nah­rung ge­ge­ben hat. Es sagt nur nie­mand in die­ser Schär­fe, weil gleich­zei­tig die Si­tua­ti­on vor­liegt, dass nun je­der­mann kos­ten­los und mit ge­ringst­mög­li­chen Bar­rie­ren Öf­fent­lich­keit er­rei­chen kann. Es wirkt pa­ra­dox: bei wirt­schaft­li­cher Kon­zen­tra­ti­on der Pro­duk­ti­ons­mit­tel ist eine De­mo­kra­ti­sie­rung11 der Nut­zung ein­ge­tre­ten. Ein ideo­lo­gi­sches Mi­nen­feld, das hier nicht wei­ter dis­ku­tiert wer­den soll.

Trennt man die­ses Pa­ra­do­xon, das stän­dig bei der Be­ur­tei­lung im Wege steht, scharf von einer kom­mu­ni­ka­ti­ven und kon­zep­tio­nel­len Sicht, so ist gar kein gro­ßer Un­ter­schied zwi­schen Blogs und dem Rest des vagen „Web 2.0“ mehr ge­ge­ben. Blogs waren schon immer ein Teil von „Web 2.0“ und nun ver­lie­ren sie Jahr für Jahr an re­la­ti­ver Be­deu­tung: Face­book hat mit 50% der On­line-Po­pu­la­ti­on mehr als zehn Mal so viel Nut­zungs­grad, alle Netz­wer­ke haben eine zig­fa­che Vi­ra­li­tät und alle Netz­wer­ke kön­nen mehr leis­ten – zum Bei­spiel Um­fra­gen, Chats, Vi­deo­kon­fe­ren­zen, Ver­an­stal­tungs­me­cha­nis­men. Blogs sind kon­zep­tio­nell 17 Jahre alt, Face­book gut neun (fa­ce­me­sh.com).

 

Die Aus­sa­ge „Blogs sind in der Krise“ ist so zwar rich­tig, aber falsch: Die tech­ni­schen Platt­for­men wer­den ab­so­lut wei­ter gut ge­nutzt, ver­lie­ren aber re­la­tiv an kom­mu­ni­ka­ti­ver Be­deu­tung, weil ihre ty­pi­sche Kul­tur­pra­xis im So­ci­al Layer des Webs auf­ge­gan­gen ist, der weit grö­ßer ist.

Mit die­ser Er­kennt­nis löst sich die ganze Dis­kus­si­on: Nicht al­lein Blogs sind die Ant­wort auf zu­neh­men­de Kom­ple­xi­tät der Ge­sell­schaft bei gleich­zei­ti­ger Krise ihrer In­sti­tu­tio­nen, son­dern der ganze So­ci­al Layer ist es, in dem Blogs als vor­grei­fen­de Kul­tur­pra­xis auf­ge­gan­gen sind. Zei­tungs­blogs sind Co­py­cats, ein Teil des So­ci­al Lay­ers. Wer „Blogs in der Krise“ ruft, kommt mir ein biss­chen so vor wie je­mand, der „GRÜNE in der Krise“ ruft, wenn Atom­kraft­wer­ke ab­ge­schafft sind und alle nur noch Bio essen.

7. Aus­blick: Lo­ka­le Mi­cro-Öf­fent­lich­kei­ten mit flüs­si­gen Dis­kurs­struk­tu­ren?

Mi­cro-Öf­fent­lich­kei­ten kön­nen sich in grö­ße­rem Um­fang erst mit dem In­ter­net bil­den, weil fast alle Äu­ße­rungs­for­men (ab­ge­se­hen von Lo­kal­zei­tun­gen, Haus­meis­ter-Aus­hän­gen, Stein­sta­peln in der Berg­welt und dro­hend spit­zen Zäu­nen) flüch­tig waren und nicht auf­ein­an­der Bezug nah­men, so dass gar keine flüs­si­ge Dis­kurs-Struk­tur ent­ste­hen konn­te. Der wei­te­re Aus­for­mungs­pro­zess wird Jahr­zehn­te dau­ern, weil die In­for­ma­ti­ons­or­ga­ni­sa­ti­on nach lo­ka­len Kri­te­ri­en erst am An­fang steht und so­zia­le Sys­te­me sehr träge sind.

Am Ende könn­te ste­hen, dass Men­schen das In­ter­net nicht nur als Werk­zeug von Glo­ba­li­sie­rung oder Welt­frie­den und Kon­ti­nen­tal­re­vo­lu­tio­nen12 sehen, son­dern dass zu­gleich die klei­nen so­zia­len Ein­hei­ten als Keim­zel­le der Ge­sell­schaft ihre Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­dich­ten und in­ten­si­vie­ren. Dabei hoffe ich dar­auf, dass sie zudem bes­ser Res­sour­cen tei­len, weil das In­ter­net dafür viele Vor­aus­set­zun­gen schafft. Und ich ver­mu­te, dass po­li­ti­sche Re­or­ga­ni­sa­ti­on in die­sen klei­nen Ein­hei­ten an­fängt, weil hier am meis­ten kon­kre­ter Nut­zen liegt und am we­nigs­ten ideo­lo­gi­sche Kämp­fe ge­führt wer­den: Wel­che Stra­ße soll aus­ge­baut wer­den? Wann be­ginnt der Kin­der­gar­ten? Was für Un­ter­neh­men wol­len wir an­sie­deln? Wie gehen wir mit Bett­lern um? Die Pro­ble­me auf die­ser Ebene, wenn es um den Aus­gleich von In­ter­es­sen geht (z.B. bei den Fol­gen von In­fra­struk­tur) sind al­ler­dings auch im­mens. Ich per­sön­lich glau­be, dass sich neue kom­mu­ni­ka­ti­ve und par­ti­zi­pa­ti­ve Übung über die klei­ne Ein­heit zur gro­ßen na­tio­na­len (und in­ter­na­tio­na­len) Ebene ent­wi­ckeln muss, das wäre der evo­lu­tio­nä­re Weg mit den ge­rings­ten Ri­si­ken. So wird denn aus der schein­ba­ren „Blog-Kri­se“ ein­fach nur ein Über­gang von einer kul­tu­rel­len Pra­xis ist einen grö­ße­ren Zu­sam­men­hang, der allen nüt­zen kann. Eine kluge Po­li­tik schafft al­ler­dings auch dafür die Vor­aus­set­zun­gen, dass Werk­zeu­ge, Pro­zes­se, Code und Wis­sen öf­fent­lich vor­an­ge­trie­ben wer­den, damit sie da­nach von je­der­mann nutz­bar wer­den.

Fuß­no­ten:
1) http://​buggisch.​wordpress.​com/​2013/​01/​16/​gibt-​es-​eine-​blog-​krise/
2) Fass­bin­ders Ver­zweif­lung ist se­hens­wert.
3) Nä­he­res hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand.
4) Idee: Shits­torm-Sen­ti­ment-Ana­ly­se mit Ag­gre­ga­tor und au­to­ma­ti­scher Wort­lis­te für Mu­te-Funk­ti­on von Twit­ter-Cli­ents.
5) Peter Slo­ter­di­jk, http://​www.​pet​ersl​oter​dijk.​net/​agenda/​artikel/​letzte-​ausfahrt-​empoerung
6) An die­ser Stel­le ar­ti­ku­lie­re ich gern meine Ver­ach­tung für Jung von Matt und alle Per­so­nen, die bei „kran­kes Schwein“ mit­ge­macht und so Ver­trau­en miss­braucht haben, siehe frau­mei­ke.
7) http://​zitate.​net/​zitat_​4038.​html
8) „For­mal“ im Sinne einer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form und im Sinne der Form, in der sie als Sub­jekt auf­tre­ten. Das wird aber mehr­fach durch­bro­chen: durch Macht, die als Be­ein­flus­sungs­ver­mö­gen über an­de­re Men­schen rein (on­line) kom­mu­ni­ka­tiv ent­steht und sicht­bar wird, durch Sys­te­me, die das ab­zu­bil­den ver­su­chen (Re­pu­ta­ti­ons­ma­nage­ment), und durch Iden­ti­täts­auf­de­ckung (ei­ge­ne, aber auch durch An­bie­ter, „cer­ti­fied user“), wel­che die Tren­nung zur phy­si­schen Rea­li­tät auf­hebt (hier wirkt dann also auch so­zia­le, mo­ne­tä­re, se­xu­el­le, phy­si­sche etc. Macht der Gleich­heit ent­ge­gen). Die Summe die­ser drei Ef­fek­te ist so groß, dass die Idee von der for­ma­len Gleich­heit wahr­schein­lich mehr ein ro­man­ti­sier­tes Bild ist, so­fern die Be­tei­lig­ten nicht ge­ra­de an­onym, en pas­sant und mit glei­chen „so­zia­len Gra­phen-Waf­fen“ auf­ein­an­der tref­fen.
9) Und daher auch le­ben­di­ge!
10) John­ny Häuss­ler, http://​www.​spreeblick.​com/​2013/​01/​07/​nac​hbea​rbei​tung-​das-​web-​zur​ucke​robe​rn/
11)  Ich per­sön­lich würde den Be­griff „De­mo­kra­ti­sie­rung“ au­ßer­halb von Staats­for­men-Dis­kus­sio­nen nicht an­wen­den, aber durch diese For­mu­lie­rung wird viel­leicht das Phä­no­men deut­li­cher.
12) Üb­ri­gens auch ver­mit­telt durch viele Theo­re­ti­ker, das be­ginnt schon beim ver­ehr­ten Ma­cLu­han und endet bei Po­lit-Ak­ti­vis­ten wie Eli Pa­ri­ser, die nur durch eine po­li­ti­sche Bril­le sehen kön­nen, weil sie keine an­de­re Bril­le haben.

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29 Ko­men­ta­re zu
“Blog­kul­tur als Ant­wort auf die Kom­ple­xi­tät der Ge­sell­schaft und die Krise ihrer In­sti­tu­tio­nen”

  1. Dan­ke­schön für die­sen kom­ple­xen Bei­trag zum Thema Blog-Kul­tur. Genau darum geht es: Eine Kul­tur der Wert­schät­zung, Viel­falt, Kom­mu­ni­ka­ti­on, Mei­nung, Hal­tung:

    „Die­ser Pro­zess des Ar­ti­ku­lie­rens, Ant­wor­tens und Re­fe­ren­zie­rens, nen­nen wir ihn ruhig „Kom­mu­ni­ka­ti­on“, ent­steht zwi­schen den Blog-Au­to­ren (im fol­gen­den ein­fach „Blogs“) durch eine Reihe von Be­zug­nah­men auf­ein­an­der, und er hat bei Blogs häu­fig auch eine über­ge­ord­ne­te so­zia­le Be­deu­tung über den kon­kre­ten Fall hin­aus….“

    Einen As­pekt, ein Bei­spiel, möch­te ich noch er­gän­zen:
    Die Re­le­vanz für das echte Leben…

    Zur Zeit gibt es di­ver­se Blog­pa­ra­den im Kunst-/Kul­tur­be­reich: #KBlog­pa­ra­de2013 #Pri­vat­shä­re und an­de­re.

    Diese sind na­tür­lich un­ter­ein­an­der – und auch in an­de­re so­ci­al media Ka­nä­le ver­linkt , wie z.B. twit­ter.

    Es geht nicht um ein „ent­we­der, oder“, son­dern um sinn­vol­le Er­gän­zun­gen, um „echte“ Kom­mu­ni­ka­ti­on.
    Nicht nur die Ar­ti­ku­la­ti­on in Blogs, son­dern auch Re­fe­renz und Re­le­vanz im ech­ten Leben.
    Aus­tausch, Han­deln, TUN.

    Men­schen sind mo­ti­viert, sich mit kom­ple­xen The­men aus­ein­an­der zu­set­zen, selbst zu den­ken. Men­schen be­geg­nen sich real. Tau­schen sich aus.

    Das, was in man­chen Blogs für alle sicht­bar ist, ist oft nur ein win­zi­ger Aus­schnitt des­sen, was dar­über hin­aus im per­sön­li­chen, pri­va­ten Dia­log pas­siert.

  2. Groß­ar­ti­ger Bei­trag. Nur die kon­sta­tier­te Selbst­be­schrän­kung finde ich etwas zu de­fen­siv, zu be­schei­den. Man­che Be­schei­den­heit ist m.E. auch ge­spielt. Sie mas­kiert dann das Kon­zept der Ge­gen­öf­fent­lich­keit auf sym­pa­thi­sche Weise. Wahr­schein­lich ist das ein klu­ges Ver­hal­ten.

    Im üb­ri­gen woll­te ich dich nur dar­auf auf­merk­sam ma­chen, dass die Über­schrift mei­nes Bei­trags im Frei­tag „Die Krise der Blog­ger“ nicht von mir, son­dern vom „Mas­sen­me­di­um“ stammt. Nur in Blogs ma­chen die Au­to­ren ihre Über­schrif­ten sel­ber.
    http://​is.​gd/​0jJfwl

    1. Chris­toph Kap­pes sagt:

      Wozu „Mas­kie­rung“? Wozu über­haupt Deine An­nah­me, die „gro­ßen Egos“ der Blog­ger seien in die Arme der Mas­sen­me­di­en ge­trie­ben?
      Ich habe da eher die Wahr­neh­mung, dass alle Fälle, die Du mei­nen könn­test, ein­fach nur ra­tio­nal han­deln und so­wohl grö­ße­re Reich­wei­te und mehr Geld dazu nut­zen, das was sie sagen wol­len, nun mit grö­ße­rer Reich­wei­te und mehr Geld zu sagen? Was ist daran ver­werf­lich?
      Sie schrei­ben doch, was sie wol­len, von SpOn bis FAZ-Blogs – und Du doch beim Frei­tag auch, den Du selbst ge­ra­de als Mas­sen­me­di­um be­zeich­net hast.

      1. Nicht die neue Kul­tur des „Blog­gens“ setzt sich in an­de­ren Be­rei­chen fort, es ist eher eine Wie­der­kehr des alten Kon­zepts Autor – und die­ses Kon­zept ist durch die Blogs auch in den Mas­sen­me­di­en wie­der po­pu­lär ge­wor­den. Ich selbst würde mich – be­rufs- wie ge­ne­ra­ti­ons­be­dingt – nie als Blog­ger be­zeich­nen, sol­che Be­zeich­nun­gen kom­men meist von außen und sind eine Hilfs­kon­struk­ti­on für Au­to­ren, die im Netz schrei­ben. Ich schrei­be hier wie dort, weil ich nur ein Di­gi­tal Im­mi­grant bin. Doch wenn Blog­ger, die sich mal so de­fi­niert haben, öf­fent­lich dazu auf­ru­fen, mehr Blogs zu ma­chen, sel­ber aber in die Mas­sen­me­di­en dif­fun­die­ren, dann er­war­te ich bes­se­re Er­klä­run­gen als nur „Die han­deln eben ra­tio­nal“. Ver­werf­lich ist das über­haupt nicht, es un­ter­gräbt nur ein wenig die ei­ge­nen Pos­tu­la­te.

  3. Hier noch als Nach­trag der Link zur Blog­pa­ra­de des SCHIRN Ma­ga­zins zum Thema #Pri­vat­shä­re

    http://​www.​schirn-​magazin.​de/​panorama/​blogparade-​pri​vats​phar​e/

    Viel­leicht hat ja noch je­mand In­ter­es­se, mit­zu­ma­chen?

  4. Pri­va­te Blogs funk­tio­nie­ren nur dann, wenn sie sich ge­ra­de nicht um ihre Re­le­vanz sche­ren. Re­le­vanz selbst ist nur unter den Be­din­gun­gen des Me­di­en­sys­tems von Be­deu­tung. Die be­misst sich an den be­kann­ten Kri­te­ri­en, seien sie quan­ti­ta­ti­ver oder qua­li­ta­ti­ver Art. Wo Blogs eine Re­le­vanz ge­won­nen haben, hat es auch immer eine Pro­fes­sio­na­li­sie­rung ge­ge­ben. Mode, Tech-Blogs etc. Oder die Nach­denk­sei­ten, die ein pro­fes­sio­nell be­trie­be­nes Mas­sen­me­di­um ge­wor­den sind. Alle diese An­ge­bo­te haben sich mehr oder min­der mit den klas­si­schen Mas­sen­me­di­en ver­bun­den. Re­le­van­te Blogs (wer immer das ist) sind heute keine Sub­kul­tur mehr, son­dern nichts an­de­res als eine Kom­po­nen­te im Me­di­en­sys­tem ge­wor­den.

    Die Be­deu­tung von blogs nimmt aber tat­säch­lich ab, weil die von Prantl ge­nann­ten Ka­nä­le einen Teil des­sen über­nom­men haben, was vor Jah­ren nur über Blogs ver­mit­telt wer­den konn­te. Etwa Ver­lin­kun­gen – oder die Ver­mitt­lung von In­hal­ten aus der pri­va­ten Le­bens­welt, wie bei Face­book. Im Ver­gleich dazu ist ein Blog auch ex­trem auf­wän­dig. Aber die Idee mit den lo­ka­len Mi­cro­öf­fent­lich­kei­ten finde ich gut. Hier könn­te sich tat­säch­lich eine neue Funk­ti­on er­ge­ben, die in der Form nur blogs aus­fül­len kön­nen.

    1. Chris­toph Kap­pes sagt:

      Ich kann kei­nen Dis­sens er­ken­nen. Nur sehe ich Blog­gen als Kul­tur (die tech­ni­sche Ab­gren­zung ist nicht hilf­reich) und daher sage ich nicht, die von Prantl ge­nann­ten Ka­nä­le hät­ten etwas über­nom­men, was nur über Blogs ver­mit­telt wor­den könn­te. Ich würde sagen, die Kul­tur­tech­nik des Blog­gens setzt sich in den an­de­ren Ka­nä­len fort.
      (Wobei ich Kul­tur nicht ir­gend­wo auf­la­de, das hat nichts mit Wer­tig­keit zu tun, Kul­tur­merk­ma­le sind hier einem Ab­satz ver­suchs­wei­se de­fi­niert.)

  5. Fritz sagt:

    Ich finde das alles ziem­lich rich­tig. Blogs sind Zu­sam­men­hang bil­dend jen­seits von Freund­schafts­cli­quen und 1 Form der Ar­ti­ku­la­ti­on der Mas­sen. Die an­de­re For­men ste­hen damit im Kon­nex, so dass letzt­lich fast nichts ohne völ­li­ge Wei­ter­wir­kung bleibt. Alles mischt sich zu­sam­men. Dabei ste­hen die Mehr­zahl (längst nicht alle) Blogs wie­der­um in einem Kon­nex mit den tra­di­tio­nel­len Me­di­en – al­ler­dings ist der Bezug längst wech­sel­sei­tig ge­wor­den.
    Ich meine, man könn­te je­den­falls die­sen Satz Lu­eb­ber­dings auch um­dre­hen: „Re­le­vanz selbst ist nur unter den Be­din­gun­gen des Me­di­en­sys­tems von Be­deu­tung.“ Etwas so: Im Me­di­en­sys­tem er­hält nur noch den Ein­druck von Re­le­vanz, was in der Mas­sen­ar­ti­ku­la­ti­on auf­ge­grif­fen wird und dort wei­ter durch­ge­kaut wird. Ins­ge­samt scheint es so, als würde sich immer mehr ein neuer Ge­samt­kos­mos der Öf­fent­lich­keit her­aus­kris­tal­li­sie­ren, in dem so gut wie nichts mehr un­ar­ti­ku­liert bleibt. Alle mög­li­chen Be­wusst­seins­strö­me kann man live er­le­ben, wie sie sich live her­aus­bil­den. In der Krise sehe ich da eher die Me­di­en, die bis­her dar­auf ge­setzt hat­ten, sie könn­ten diese Be­wusst­seins­strö­me zen­tral steu­ern und ver­wal­ten. Man­che hät­ten das gerne und wür­den daher die alten Groß­ver­la­ge noch ein­mal öko­no­misch pri­vi­le­gie­ren. Die Ero­si­on ist aber wohl letzt­lich kaum auf­halt­bar. Man kann die Leute nicht mehr daran hin­dern, über alles zu spre­chen und alles zu be­ob­ach­ten.
    „Re­le­vanz“ kann es üb­ri­gens auch als sub­jek­ti­ve Re­le­vanz geben (siehe „10.000-flies“). Was die Ta­ges­schau mel­det, ist ja oft schon eine dop­pel­te Schein­re­le­vanz: 1.) un­wich­tig für die Welt­ge­schich­te, 2.) geht es den Leu­ten am Arsch vor­bei und wird bin­nen Se­kun­den ver­ges­sen, wenn man über­haupt zu­ge­hört hat. Ver­gli­chen damit kön­nen Bei­trä­ge, die im So­zi­al­raum des In­ter­nets auf­ge­schnappt oder ge­sucht wur­den, weit mehr Spu­ren hin­ter­las­sen, selbst wenn sie nach quan­ti­ta­ti­ver Ver­brei­tung her un­be­deu­tend waren, weil die sub­jek­ti­ve Re­le­vanz immer ge­ge­ben ist. (Da liegt ja auch die Stär­ke.)
    Nur ne­ben­bei sei er­wähnt, dass Blogs und ins­be­son­de­re Kom­men­tar-Dis­kus­sio­nen häu­fig auch „sol­da­tisch“ funk­tio­nie­ren – d.h. eine ganze Armee von Blo­gern und Kom­men­ta­to­ren sagt mehr oder we­ni­ger das Glei­che, nur etwas an­ders. Das ist eine de­zen­tra­le Form der Ver­viel­fa­chung (also der „quan­ti­ta­ti­ven Re­le­vanz“).

    1. Chris­toph Kap­pes sagt:

      In­ter­es­san­te Un­ter­schei­dung der ver­schie­de­nen „Re­le­van­zen“, sehe ich auch so. Die mas­sen­me­dia­le Re­le­vanz ist kein Maß­stab für Blogs, aber auch bei Blogs gibt es Se­lek­ti­on mit Re­le­vanz­kri­te­ri­en. Die mas­sen­me­dia­le Re­le­vanz wird durch die Ver­wen­dung in Mas­sen­me­di­en de­fi­niert.
      Kurz ge­sagt, und das ist oben auch ge­meint: Mas­sen­me­di­en haben ihrer Funk­ti­on nach an­de­re Re­le­vanz­kri­te­ri­en als so­zia­le Me­di­en. (wobei ich den Be­griff „so­zia­le Me­di­en“ für eine Spott­ge­burt halte und daher im Text oben um­schif­fe, indem ich die Struk­tur­merk­ma­le der Kom­mu­ni­ka­ti­on auf­lis­te, die sog, so­zia­le Me­di­en von Mas­sen­me­di­en (bis­her) un­ter­schied.

  6. Ihr Bei­trag ge­fällt mir gut. Ihre Ana­ly­se ist über­zeu­gend be­son­ders in fol­gen­den Punk­ten:
    – Der Ver­gleich der Wir­kung von Blogs mit Mas­sen­me­di­en ist schief.
    – Nicht die tech­nisch be­ding­te Form, son­dern die kom­mu­ni­ka­ti­ven In­hal­te sind ent­schei­dend, Stich­wort „platt­for­mun­ab­hän­gi­ge Kul­tur­tech­nik“.
    – Die De­fi­ni­ti­on von Blogs und so­zia­len Foren als „Kom­mu­ni­ka­ti­ons­raum für so­zia­le Ver­hand­lun­gen“, das In­ter­net als „post-el­ter­li­che So­zia­li­sie­rungs­stu­be, die per­ma­nen­te Wei­ter­bil­dung nach der Grund­aus­bil­dung“.
    – Das In­ter­net ist keine ex­klu­si­ve, son­dern eine „wei­te­re Op­ti­on, wie Men­schen ihr Zu­sam­men­le­ben re­geln“.
    – Die Fest­stel­lung, dass im schnel­len Wan­del der Mo­der­ne ein er­höh­ter Dis­kus­si­ons­be­darf be­steht, Stich­wort „Em­pö­rung“.
    – Die Per­spek­ti­ve, auf diese Weise spe­zi­el­le Öf­fent­lich­kei­ten („Mi­cro-Öf­fent­lich­keit“) für „flüs­si­ge Dis­kurs-Struk­tu­ren“ zu ge­win­nen.

    Ich habe zwei kri­ti­sche An­mer­kun­gen. Ein­mal wird aus mei­ner Sicht Ihre nur kurze Be­wer­tung der Brief- und Te­le­fon­kul­tur als „un­gleich müh­sa­mer“, als „an­syn­chron“ und nicht ge­eig­net zum Dia­log („so­kra­ti­sche Dia­log­form“) der wirk­li­chen Be­deu­tung die­ser Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men nicht ge­recht. In Brie­fen wurde (und wird) in der Tat zwar zeit­lich asyn­chron, aber in­halt­lich sehr wohl dia­lo­gisch kom­mu­ni­ziert. Ich wüss­te nicht, warum man zum Bei­spiel den in Buch­form vor­lie­gen­den Brief­wech­seln von Tho­mas Mann, Carl Fried­rich von Weiz­sä­cker oder Han­nah Arendt die Qua­li­tät eines „so­kra­ti­schen Dia­logs“ ab­spre­chen soll­te. Ge­wiss, Brie­fe­schrei­ben war a) mehr eine Sache der Bil­dungs­schich­ten (Ein­schrän­kung: siehe Feld­post!), und ist b) aus der Mode ge­kom­men. Der Gar­aus ist den Brie­fen aber nicht durch das In­ter­net, son­dern durch das Te­le­fo­nie­ren ge­macht wor­den. Te­le­fo­nie­ren ist nun eine wahr­lich syn­chro­ne, weit ver­brei­te­te „Kul­tur­tech­nik“ ge­wor­den, so sehr, dass man in­zwi­schen im Stadt­bild am Handy hän­gen­de Pas­san­ten en masse sehen kann. Es ist zwar keine of­fe­ne Dia­log­form, zu der Drit­te hinzu sto­ßen könn­ten, („ma­keln“ ist wohl doch eher un­ty­pisch), aber eben vom Wort­sin­ne her ech­ter Dia­log. Den darf man mei­nes Er­ach­tens nicht un­ter­schät­zen, auch nicht für seine Aus­wir­kun­gen auf ge­sell­schaft­li­che Dis­kur­se, die an­ders­wo statt­fin­den. An­de­rer­seits gilt nicht nur für mich, wie ich weiß, dass dank Email das Brie­fe­schrei­ben wie­der neue Ak­tua­li­tät, weil eine neue, schnel­le­re und ein­fa­che­re Form ge­fun­den hat. Kurz­um: Die Kul­tur des Brie­fe­schrei­bens und Te­le­fo­nie­rens wird von Ihnen zu schnell über­gan­gen. Dass Posts bei Face­book vor allem bei jun­gen Men­schen die Email er­setzt haben, zeigt zudem die Nähe der Netz­werk-Kom­mu­ni­ka­ti­on auch zum Brie­fe­schrei­ben. Ein Ver­gleich hier­mit wäre viel­leicht an­ge­mes­se­ner als die Ge­gen­über­stel­lung zu Mas­sen­me­di­en. Dafür wären aber ei­ge­ne Über­le­gun­gen not­wen­dig.

    Meine zwei­te An­mer­kung be­zieht sich auf Ihren fünf­ten Punkt „Blogs als Re­ak­ti­on auf eine Krise der In­sti­tu­tio­nen und die Kom­ple­xi­tät der Ge­sell­schaft“. Bei­des, die „Krise der In­sti­tu­tio­nen“ und die „Kom­ple­xi­tät der Ge­sell­schaft“, sind gän­gi­ge In­ter­pre­ta­men­te, fast schon Chif­fren zur Kenn­zeich­nung der Si­tua­ti­on un­se­rer Ge­sell­schaft. Ich wage ihre Rich­tig­keit und Aus­sa­ge­fä­hig­keit zu be­zwei­feln, zu­min­dest zu hin­ter­fra­gen. Es ist ja noch die Frage, ob „die Welt“ für uns, d.h. für jeden Ein­zel­nen, wirk­lich „ob­jek­tiv“ kom­ple­xer ge­wor­den ist oder ob sie eher „un­über­sicht­lich“ ge­wor­den ist, aus wel­chen Grün­den auch immer. Letz­te­res wäre das sub­jek­ti­ve Mo­ment, der Ein­druck, den man hat. Ich werde dies ein­mal an an­de­rer Stel­le (pu­bli­co­pi­nia) aus­füh­ren.

    Noch eine letz­te Be­mer­kung zu Ihrer Ant­wort an Thors­ten Breustedt („Ich habe keine eman­zi­pa­to­ri­schen Er­war­tun­gen, genau die­ser Über­bau ist ja für mich die ge­lern­te Per­spek­ti­ve, die in die irre führt. … Ich mein­te ethisch und auf das Mit­ein­an­der-Um­ge­hen be­zo­gen“) Also wenn das, was Sie an Zie­len und Er­war­tun­gen for­mu­lie­ren („Iden­ti­täts­fin­dung“, „so­zia­le Kom­mu­ni­ka­ti­on“, „per­ma­nen­te Wei­ter­bil­dung“, Aus­bil­dung „so­zia­ler Nor­men“, „ethi­sches Mit­ein­an­der-Um­ge­hen“, „kom­mu­ni­ka­ti­ve und par­ti­zi­pa­ti­ve Übung“ u.v.a.m.), nicht an sich schon eman­zi­pa­to­ri­schen Cha­rak­ter hat, dann weiß ich nicht mehr, was Eman­zi­pa­ti­on sonst be­deu­tet…!

    1. Chris­toph Kap­pes sagt:

      Danke, @Rein­hard Gruhn, das sind hilf­rei­che An­mer­kun­gen, bin ge­spannt auf Ihren an­ge­kün­dig­ten Bei­trag.
      Zwei Ant­wor­ten:
      – Was das Te­le­fon an­geht, haben Sie recht, dass es dia­lo­gisch ist, mir ging es bei der Be­ob­ach­tung der In­ter­net­kom­mu­ni­ka­ti­on aber um den zeit­li­chen Ver­satz zwi­schen zwei Akten (also, sagen wir, drei Stun­den Zeit zur Ant­wort, was ich wohl miss­ver­ständ­lich als „asyn­chron“ be­zeich­net habe). Beim Te­le­fon bricht die Kom­mu­ni­ka­ti­on so­fort ab, wenn man nicht un­mit­tel­bar ant­wor­tet und es kann auch nie­mand hin­zu­tre­ten usw.
      – Ich habe in der Tat hehre Ziele, ich nenne sie aber „Hoff­nun­gen“, für mei­nen Ge­schmack ein schwa­cher Be­griff, der das Schei­tern mit ein­schliesst. Und als „eman­zi­pa­to­risch“ würde ich kei­nes der Ziele be­zeich­nen, weil sie zwar auf ein bes­se­res Zu­sam­men­le­ben ge­rich­tet sind, aber nicht auf Än­de­rung sog. Macht­ver­hält­nis­se ge­rich­tet sind und nicht den Men­schen aus einem Zu­stand der Ab­hän­gig­keit be­frei­en sol­len. Für mich wäre das ein wei­te­rer Layer der Dis­kus­si­on: „eman­zi­pa­to­risch“ als eine Zu­satz­op­ti­on, von der ich (noch?) weit weg bin, da ich auch nicht an die Mög­lich­keit herr­schafts­freie Räume glau­be. Die Blo­gosphä­re ist der beste Be­weis. Selbst ich er­schre­cke mich immer, wenn ein Twit­te­rer mit 100.000 Fol­lo­wern mit mir kom­mu­ni­ziert. Ich glau­be eher, dass ein so­zia­le Gross­or­ga­ni­sa­ti­on wie un­se­re Ge­sell­schaft ohne Macht nicht funk­tio­nie­ren kann und man sie ba­lan­cie­ren und ein­däm­men muss.

      1. Ich ver­ste­he unter „Eman­zi­pa­ti­on“ nicht den ideo­lo­gi­schen Frank­fur­ter-Schu­le-Be­griff (von wegen „Macht­wech­sel“), son­dern schlicht im auf­klä­re­ri­schen Sinne, wie Kant ihn in sei­ner klei­nen Schrift „Was ist Auf­klä­rung?“ (1784) be­schreibt: „Aus­gang aus selbst­ver­schul­de­ter Un­mün­dig­keit“ und „den ei­ge­nen Ver­stand ge­brau­chen“. In­so­fern ist jede Bil­dung, ge­ra­de auch in und durch das In­ter­net, „Auf­klä­rung“ und „eman­zi­pa­to­risch“. Von die­sem An­spruch möch­te ich nicht las­sen. Ist das zu un­be­schei­den?
        Was Sie zum Thema Herr­schaft etc. schrei­ben: völ­lig d’ac­cord..

        1. Chris­toph Kap­pes sagt:

          Der Kant´sche Auf­satz ist mir schon zu Schul­zei­ten in­tra­ve­nös ver­ab­reicht wor­den: ja, si­cher, guter und rich­ti­ger An­spruch.
          Nach Kant kam aber die Ent­de­ckung der Psy­che, und wenn ich aus mei­ner ganz per­sön­li­chen An­sicht und Le­bens­er­fah­rung ant­wor­ten soll­te, dann ant­wor­te ich: wenn 150 Jahre spä­ter ein Ge­no­zid an Mil­lio­nen Men­schen ge­sche­hen ist, dann ist ent­we­der der An­spruch über­zo­gen, noch nicht in Um­set­zungs­nä­he – oder der Mensch falsch.
          Ich glau­be heute ernst­haft, dass das Un­be­wuss­te stär­ker ist als der Ver­stand, und mit jedem Jahr, dass ich mit einem sol­chen Blick auf Men­schen schaue, be­stä­tigt sich das. Das heisst nicht, dass ich den Kant´schen An­spruch auf­ge­be, aber er ist mehr eine Ma­xi­me als eine Aus­sa­ge über die Mög­lich­keit von Rea­li­tät.

          1. Klaro. Da ren­nen Sie bei mir of­fe­ne Türen ein.

  7. kai sagt:

    Das soll­ten sich echt mal viele zu Her­zen neh­men.

    1. Chris­toph Kap­pes sagt:

      Lie­ber Kai,
      Ihr Im­mo­bi­li­en­mak­ler (unter http://​www.​1-​500.​de) kann gern einen Back­link haben, al­ler­dings dann auch qua­li­fi­ziert mit dem Hin­weis, dass Sie ein Spam­mer sind, eine Drecks­fir­ma, der man kein Ver­trau­en ent­ge­gen­bringt. Gute Mak­ler haben das nicht nötig.
      C.K.

  8. Oli­verG sagt:

    Das Fass­bin­der-Link tut nicht 😉

  9. An­dre­as sagt:

    Hallo,
    ich bin ge­ra­de über den D64 News­let­ter auf Dei­nem Blog­post ge­lan­det und kann dem Gan­zen nur zu 120% zu­stim­men. Blogs sind lei­der aus ir­gend­wel­chen Grün­den die letz­te Zeit in den Hin­ter­grund ge­ra­ten. Warum auch immer. Ver­ste­hen kann ich das nicht so ganz, aber wie ich finde stel­len Blogs eine super Mög­lich­keit dar, meine In­ter­es­sen, Mei­nun­gen etc. mit an­de­ren zu tei­len. Ich bin mein ei­ge­ner Herr und bin nicht zwin­gend auf Drit­te Platt­for­men wie Twit­ter oder Face­book an­ge­wie­sen. Pri­vat finde ich Blogs super! Aber wie ich finde sind Blogs auch Un­ter­neh­mens-In­tern ein super Me­di­um. Aber auch dort lei­der viel zu wenig ver­tre­ten, wegen der nicht vor­han­de­nen Lobby. Aber das kommt mit Si­cher­heit noch! Hoffe ich zu­min­dest ….. LG, An­dre­as

  10. ben_ sagt:

    Im al­ler­bes­ten Sinne der Worte und zu mei­ner grö­ßen Be­geis­te­rung: Also ist Blog­gen Ro­man­tik und Bie­der­mei­er.

  11. Tu­po­lew sagt:

    Viel­leicht könn­te man Blog­gen wirk­lich als eine Form der Kul­tur be­zeich­nen. Ein guter Blog liest sich für mich wie eine gute Ta­ges­zei­tung. Der Autor gibt seine Mei­nung vor und je nach dem ak­zep­tiert der Leser diese Mei­nung oder wird diese ent­spre­chend än­dern.
    Ob diese Form der Kom­mu­ni­ka­ti­on nun das Non Plus Ultra ist, sei dahin ge­stellt, auf alle Fälle ist ein Blog nicht so „hek­tisch“ wie Twit­ter oder Goog­le+.

    In die­sem Sinne wün­sche ich noch einen schö­nen Abend…

    1. Chris­toph Kap­pes sagt:

      Ja, genau, und die Links hier sind „no­fol­low“.

  12. ben_ sagt:

    Ah. Und. Bevor ich noch­mal zu einem län­ge­ren Kom­men­tar aus­ho­len: Dru­pal ist bei Zeit.​de nur als Com­mu­ni­ty-Sys­tem im Ein­satz und nicht als Re­dak­ti­ons­sys­tem. Und ob­schon es Blog­ger, gibt, die Dru­pal nut­zen (hab ich sel­ber auch mal) ist es doch ein ziem­lich mie­ses Blog­sys­tem und tat­säch­lich deut­lich bes­ser für den Ein­satz grö­ße­rer Re­dak­tio­nen oder Com­mu­nities ge­eig­net.

    1. Chris­toph Kap­pes sagt:

      Ja, stimmt.

  13. ben_ sagt:

    Ähm. Der Kom­men­tar wurde doch etwas sehr lang und da habe ich ihn kur­zer Hand in einen Blo­g­ar­ti­kel drü­ben bei mir ver­wan­delt. „Blog­kul­tur als Werk­zeug des Endes der Me­ta­er­zäh­lung“ Daher bleibt mir hier nur noch zu sagen: DANKE!

  14. Wir Blog­ger:innen kön­nen diese Krise tra­di­tio­nel­ler Me­di­en als Chan­ce be­grei­fen. Wir kön­nen den Frei­raum, den Blogs bie­ten, für mo­der­nen Jour­na­lis­mus nut­zen. Wir kön­nen junge Jour­na­lis­ten davon über­zeu­gen, dass sie sich beim Blog­gen aus­pro­bie­ren kön­nen. Wir kön­nen an­ders, weil wir es kön­nen.

    1. Chris­toph Kap­pes sagt:

      Eine sehr hilf­rei­che Ant­wort, zumal ich dazu gar nichts ge­schrie­ben habe. Glück­wunsch!

  15. Sean sagt:

    Vie­len Dank für die­sen le­sens­wer­ten Bei­trag. Du fasst viele wich­ti­ge Ge­dan­ken rund um die ver­meint­li­che Blog-Kri­se zu­sam­men.
    Lehr­reich: Dein Hin­weis auf den fal­schen Ver­gleich von Blog und Mas­sen­me­di­um und die Re­la­ti­on des Be­griffs „Krise“ mit der Ent­täu­schung auf­grund der über­höh­ten Er­war­tungs­hal­tung. Gut ge­fällt mir, wie du das Blog­gen in den ge­sell­schaft­li­chen Kon­text setzt und dabei so schö­nen For­meln fin­dest wie „Jeder ist sein Boris Be­cker“ oder „das In­ter­net fun­giert als post-el­ter­li­che So­zia­li­sie­rungs­stu­be“.
    Mehr davon.

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