07.06.2013

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Einbruch der Dunkelheit (Konferenz, Kulturstiftung des Bundes)

Auf der Konferenz „Einbruch der Dunkelheit“, veranstaltet am 25./26. Januar 2014 in der Berliner Volksbühne, diskutiere ich mit Robert Pfaller (Philosoph) und Marina Weisband (Autorin), moderiert von René Aguigah (Dradio), aber ich weiss noch gar nicht was.

Denn die Konferenz (Selbstbeschreibung des Veranstalters) „reflektiert die wachsende Skepsis gegenüber einer rund um die Uhr in allen Lebensbereichen betriebsamen Sicherheitsgesellschaft und erkundet verbleibende oder zu erkämpfende Möglichkeitsräume für Freiheit. Es streiten hochkarätige Philosophen, Künstler, Sozialwissenschaftler und Programmierer über die drängenden Fragen unserer Gegenwart: Wie sehen politisch emanzipatorische Gegenstrategien zu den Kontrollmechanismen der Sicherheitsgesellschaft aus? Bedarf es einer stärkeren demokratischen Kontrolle von Schutzräumen? Ist das Verlangen nach Privatheit lediglich regressiver Eskapismus oder kann es tatsächlich in die Freiheit führen? Wie sind neue Formen von Privatheit mit digital gestützten Praktiken politischer Partizipation vereinbar? Was sollte man als Bürger tun?“

Warum ich nicht weiss, was ich da diskutiere?

„Möglichkeitsräume für Freiheit“ zu „erkunden“, das könnte man auch so Fragen: „Welche Freiheiten bleiben?“ – und dann würde jedermann auffallen, ndass dem Satz ein Subjekt fehlt. Das fehlende Subjekt ist der schattige Bruder des einvernehmenden „wir“. Um beide zu enttarnen, können wir fragen: Haben „hochkarätige Philosophen, Künstler, Sozialwissenschaftler und Programmierer“ Freiheiten, welche, reichen sie aus? Wie sieht es mit Hartz-IV-Empfängern aus, die keine Philosophen sind? Und mit Investmentbankern, deren Arbeit aus Transaktionen besteht, die realtime von Geheimdiensten abgeschnorchelt werden?

Nicht anders mit dem Ziel: Was ist denn eigentlich von einem Freiheitsbegriff zu halten, der nur eine Freiheit-Von beschreibt, ohne ein Ziel? Zeigt nicht gerade die Internetnutzung, bespielsweise in sozialen Netzwerken, dass wir auf Gemeinschaft angewiesen sind, dass wir nicht nur „Content“, sondern auch andere Subjekte brauchen, von denen wir uns abgrenzen müssen und mit denen wir uns zugleich ins Einvernehmen setzen können? Was ist Freiheit ohne Gemeinschaft, und wo entsteht sie gerade? Wer webt hier wen in den Kokon, der Koloss uns oder jeder sein Gegenüber?

Was ist das für ein Wort, die „Sicherheitsgesellschaft„? Hat die soziale Kontrolle wirklich zugenommen, im historischen Vergleich, oder ist sie vielleicht nur zwangsläufiges Phänomen eines Zusammenrückens in urbanen Gemeinschaften, der Preis für materiellen Wohlstand und Wahlmöglichkeiten in verdichteten Räumen? Wieso beschreiben wir „Sicherheit“ und was hat sie mit Angst und Schutz zu tun – warum sind „Schutzräume“ gut belegt, die „Sicherheitsgesellschaft“ aber nicht?

„Wir wollen Schutz vor Eurer Sicherheitsgesellschaft.“

 

 

 

 

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