04.12.2011

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Das Social Web ist eine Lüge

…lautet die Überschrift eines Textes von +Stefan Schulz bei den Sozialtheoristen. Den Text finden Sie hier.

Da haben wir den Salat. Eine wunderbare Intervention, die darauf verweist, wie unklar Begriffe sind, die wir allerorten verwenden. Im Verständnis der Webtechnologie ist es ja einfach nur eine Menge von Beziehungen, die strukturiert abgebildet werden, siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Social_web.

Das ist von allen denkbaren Konzepten des „Social“ das allersimpelste:

  • ein statisches Konzept (Beziehungen ändern sich nicht, und wie man bei Facebook sieht: sie wachsen viral, aber welche Konzepte des Verklingens gibt es?),
  • ein Konzept, das in den populären Diensten maximal vier Beziehungstypen kennt (Facebook hat vier, und der „Parteifreund“, der „Saufkumpan“, der „Nachbar“ sind schon nicht dabei)
  • ein Konzept, das nur eine Relation bezeichnet: IST-EIN…. ohne Mehr-Weniger, unklare Bindung, unklare Kenntnistiefe, unklar Verbindlichkeit, unklare Leistungsverhältnisse, unklare Schuldbeziehungen
  • ein Konzept, das nur eine einzige Interaktion kennt – und nie eine Kette von Interaktionen (als würde man die Welt als atomare Einheiten beschreiben: eine dampfende Quarktasche = sieben Teilchen und ein Quark).
  • – eine ausschliesslich medial vermittelte Information, die nur Bruchstücke unserer Sinne anspricht und unseren Wahrnehmungsapparat mitunter sehr irritiert (und auch lange weiter irritieren wird, weil er sehrsehr lange Zeit braucht, um sich anzupassen). Ich neige als Psycho-Laie sogar zu der These: Die wichtigere Wahrnehmungsfähigkeit ist die aus dem limbischen System. Addieren ist einfach – feindliche Absicht zu erkennen viel schwieriger. Bildung nützt, doch im Tod hilft sie nicht.

„Social“ ist nach heutigem Web-Verständnise nicht mehr als ein Link zwischen zwei Personen, fünfzig und mehr Jahre nach dem Link zwischen Dokumenten. Alles andere, was wir dem zuweisen, passiert in unserem Kopf.

Bleibt die Frage, was das alles mit Virtualität zu tun hat, auf die der Autor Schulz verweist. Außerhalb der Informatik kann man wenig damit anfangen: Etwas ist real, aber nicht physisch, sondern bildet es funktional ab? Das Internet ist, und es ist Realität, genauso wie Zeitung, die uns morgens das Unheil an den Frühstückstisch bringt. Es ist einfach nur medial vermittelte Realität: nicht die Erscheinungen selbst, die wir unmittelbar wahrnehmen (ohne Mittler). Wieso kommen wir nicht auf die Idee, eine Zeitung für den Träger von Virtualität zu halten, wohl aber das Internet, obwohl es auch nur aus Dokumenten besteht? Ich kann an Web 2.0, an Mail-Interaktion nichts „virtuelles“ erkennen, es sei denn, ich dehne den Begriff so weit, dass alles Digitale Funktionen der Realität aufweist.

Und weil das Internet medial vermittelt, hat es seine Schwächen: reduzierte sinnliche Wahrnehmbarkeit, Fälschbarkeit etc.

(Irgendwie auch bemerkenswert, dass Informatikstrukturen auf einfachste Dinge nicht kommen: A liebt B.)

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